Montag, 7. September 2015

Equine Health Symposium mit Dr. Rigway und Manolo Mendez

PLEASE SCROLL DOWN FOR THE ENGLISH VERSION ;)

Anfang Juli hatte ich die große Ehre zum Equine Health Symposium mit Dr. Kerry Rigway und Manolo Mendez eingeladen worden zu sein und ich möchte euch hier einen kleinen Bericht von diesen zwei tollen Tagen geben:



Das Wissen um die "natürliche"  Schiefe des Pferdes ist ein sehr wertvolles Wissen und so wie in den letzten Jahren so stark publik gemacht wurde wie schädlich die Rollkur ist, so wünsche ich mir, dass in Zukunft jeder Reiter um die Wichtigkeit der Schiefe weiß.
In der Ausbildungsskala kommt 'Geraderichten' recht spät, als der 5. von 7 Punkten, vor und gehört mMn nach erste Stelle - was will man (auch vorallem gesundheitlich) mit einem Pferd erreichen, welches schief ist? 

Der Geraderichtung sollte viel mehr Bedeutung geschenkt werden, als nur ein spät vorkommender Punkt in der Ausbildungsskala.

Die Folgen der Schiefe sehe ich tagtäglich in unserer auf Orthopädie spezialisierten Klinik und ich fand es daher gut, dass angesprochen wurde, dass Schiefe die Ursache der meisten Lahmheiten ist.
Mir ist es oft ein Rätsel, warum Pferde mit deutlich unterschiedlichen Hufen (durch die Schiefe -> Belastung und Bearbeitung bedingt) zur Lahmheitsuntersuchung vorgestellt werden. Also kein Rätsel warum diese lahm sind, sondern dass den Besitzern das nicht bewusst ist.
Die Verantwortung wird viel zu oft abgegeben an zb. den Hufschmied ("Ich hab doch einen guten Hufschmied, der wird das schon so machen wies gehört"), damit die Schuld nicht bei einem selbst landet.
Doch ich finde es ist ein MUSS als Pferdebesitzer sich nicht aus gewollter Unwissenheit aus der Verantwortung ziehen zu wollen, sondern umfassend zu lernen - und nicht nur "draufsitzen und Lektionen reiten" lernen zu wollen ;)

Eine Behandlung jeder Art bringt nichts, ohne Umstellung des Trainings, Ausrüstung, Hufbearbeitung etc. - diese Punkte sind wichtig zu wissen und das Publikum wurde dafür sensibel gemacht all diese Punkte zu betrachten.


Das Symposium ging also primär um die Schiefe und ihre Auswirkungen - Lahmheiten, Muskelverspannungen, ungleich laufende Lektionen... und auch um Hufe, Hufbearbeitung etc.
Es wurden einige Pferde vorgestellt, analysiert und behandelt (und auch Hufe gemacht :) Manolo mit der Feile war eines meiner Highlights!).


Die Fallbeispiele waren sehr beeindruckend! Ich habe mitAkupunktur bisher nichts zu tun gehabt und es hat mich in Erstaunen versetzt zu sehen, wie die Pferde darauf reagiert haben, nicht nur in Form von Strecken, Abkauen und Entspannung, sondern die Muskelverspannungen die sofort verschwanden und die Schmerzhaftigkeit weg war.

Ich hätte an Dr. Rigways Stelle noch etwas mehr betont die Ursache der Lahmheit und Verspannungen zu lösen (im Sinne von klassischer Lahmheitsuntersuchung, Beschlagsoptimierung etc.).
Toll war, dass er sein Wissen geteilt hat und dem Publikum was lernen wollte und offen seinen Wissensschatz weitergegeben hat. Er hat daraus kein Mysterium gemacht, sondern erklärt was er macht und wie - genau das macht einen sehr guten Lehrer aus.

Schade dass er primär auf Akupunktur eingegangen ist, weil Dr. Rigway eigentlich mehr macht als nur Akupunktur. 
 
Manolo hat mit seinem witzigen Charme alles aufgelockert, es war sehr erheiternd, bei der Handarbeit ist er sehr inspirierend, um Wege zu sehen wie man die Schiefe geraderichten kann und das volle Potential der Pferde rauskitzeln kann.
Ihn Reiten zu sehen ist ein einziger Genuß!!! Hohe Lektionen, entspannt am langen Zügel mit einem Lachen - mit einem ihm fremden Pferd. Diese Leichtigkeit habe ich bisher noch bei niemand anderem so gesehen!


Toll war auch, dass ca. 20-30 von den 150 Leuten TÄ waren, was ich nicht erwartet hatte dass so viele offen sind für eine ganzheitliche Behandlung - gerade für Sportpferdemedizin wäre dieses Wissen von großem Wert, denn auf dem hohen Level der Sportpferde fallen diese "Kleinigkeiten" viel mehr ins Gewicht als beim Freizeitpferd welches nur gelegentlich geritten wird.


Die Unterlagen zu dem Symposium waren wirklich spitze - wir bekamen alle Folien gedruckt, Videos, viele Links zum Weiter/Nachlesen - und die Facebook-Gruppe der Teilnehmer/Vortragenden lebt nach wie vor aktiv!
(Und auch die vielen netten, und vielen mir bekannten Leute, diese open-minded-Grundstimmung war schön zu genießen)


Bei der Analyse hätte ich mir etwas mehr Hintergrundwissen vermittelt gewünscht, ohne Publikumsfragen, sondern direkt von Manolo/Kerry selbst, sowie Vorerkrankungen. Das wäre hilfreich gewesen um seinen Blick zu schulen, zb. was das Gangbild verursacht.
Einige mehr Tricks für Profis für das Erkennen der Schiefe wären auch noch hilfreich gewesen :)




Zurück zum Thema:


In seiner natürlichen Position, wie zb. am langen Zügel beim Ausreiten (hollow back + high neck) entstehen Kissing Spines und Rückenprobleme, gerade bei Freizeitpferde wichtig zu wissen, denn dort herrscht oft die Meinung "ich geh eh nur ausreiten am langen Zügel, ich verlang vom Pferd eh nix" - ein Trugschluss!

Für mich war wichtig zu hören, dass die Hufpflege schon bei kleinen Fohlen im Alter von so 3 Wochen enorm wichtig ist - logisch wenn das Fohlen mit Fehlstellungen geboren wurde, aber nicht ganz so naheliegend wenn es keine Fehlstellungen hat ;)
Zu diesem frühen Zeitpunkt ist vieles noch leicht und mit wenig Aufwand beeinflussbar und es sollte auch in der Züchterwelt betont werden.

Weiters war für mich wichtig vor Augen geführt zu bekommen, dass jeder einzelne Schritt, den das Pferd macht wichtig ist.
Auch wenn ich das Pferd beim Aufwärmen eine viertel Stunde dahinlatschen lasse, macht mir das keinen Benefit - von Anfang an schauen dass das Pferd korrekt geht, ihm helfen dass jeder einzelne Schritt ein gesunder Schritt ist, ohne es dabei in der Aufwärmphase zu überfordern.
Jeder einzlene Schritt soll für mich arbeiten, für das Pferd, für das Geraderichten.

Hilfreich fand ich, dass das Pferd mit Linien versehen wurde um zu verdeutlichen dass es schief bemuskelt ist und schief läuft.
Etwas mehr vom Trainingsaufbau hätte es sein können, um einen Trainingsplan zu erstellen, was wichtig wäre für die Besitzer, denn es wäre besser umsetzbar ihnen sagen zu können "mach diese Übung dreimal die Woche" als wie "mach diese Übung öfter" - nach der anfänglichen Euphorie schleicht sich ja oft der Schlendrian wieder ein ;)

Außerdem hätte mehr betont werden können wie wichtig die Haltung ist, insb. für die Hufe, als auch für die Ausrüstung (zb. Überprüfung des Sattels).
Die Reiter/Besitzer der Demopferde bekamen recht wenig hilfreiche Tipps in die Hand - wir wussten ja nicht was backstage noch gemacht wird - damit sie konkrete Unterstützung bekommen. Das war schade, dass die Teilnehmer das nicht mitbekommen haben, ob und was zu den Besitzern gesagt wurde für das weitere Training.

Alles in allem hat Dr. Rigeway Lust auf Akupunktur gemacht, er hat uns senibilisiert und die Augen geöffnet, und die Akupunktur recht einfach dargestellt. Die verwendeten Punkte sind allerdings untypische Punkte, die man nicht nachlesen kann und auch wenn das Pferd genau sagt ob man richtig ist oder nicht, indem der Muskelschmerz danach sofort verschwand, ist es zum Lernen dadurch nur bedingt leichter.

(Der Effekt der Akupunktur hält idR einige Tage - so lange, bis man sein Team zusammengestellt hat an Hufschmied, Sattler, Trainer, um alles zu optimieren. um nun unter günstigen Bedingungen weiter zu machen.)

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Early July I had the great privilege of being invited to the Equine Health Symposium with Dr. Kerry Rigway and Manolo Mendez, and I would like to give you a little account of those two great days:

The knowledge about “natural” crookedness in horses is very valuable and just as the detrimental consequences of Rollkur were made public over the last few years, I hope in the future every rider will know about the importance of natural crookedness.
In the training scale (of the German national riders foundation – note of translator) straightening the horse turns up rather late as the 5th of 7 objectives. In my mind it should be the first one – what goals are you going to reach with a crooked horse (especially in regards to health)? Straightening a horse should be given a lot more attention than just being a late objective on the training scale.

I see the consequences of crookedness every day in our clinic, which has specialized in orthopedics, and therefore I was really glad to hear it mentioned that crookedness is the cause of most lameness issues.
Often I really have to wonder, why horses with markedly different hoof sizes (caused by the difference in weight bearing and trimming due to the crookedness) are presented for lameness exams. So there is not really a question as to why they are lame, but the owners are just not aware of it. Way too often the responsibility is passed on to the farrier for example (“I have a good farrier, I guess he’ll take care of it) so people don’t have to blame themselves.

But I think it is a MUST for every horse owner not to try to avoid responsibility by choosing ignorance, but to learn comprehensively – rather than just learn to “sit on it and ride lessons” „wink“-Emoticon
Treatment of any kind won’t help a bit without changing training, equipment, trimming and so on – those points are important to know and the participants were sensitized to take all those points into account.
So the Symposium was primarily about crookedness and its consequences – lameness, hypertonicity of muscles, differences in exercises from left to right… and also about feet, trimming, etc. A few horses were presented, analyzed and treated (also trimming Manolo with the rasp was one of my favorites!).
The cases were very impressive! I didn’t have anything to do with Acupuncture so far and I was astonished to see the horses’ reaction to it, not only by stretching, chewing and relaxing, but also how the pain in the muscles disappeared instantly.
In regards to Dr. Rigway I would have liked to have him put more emphasis on solving the cause of the lameness and hypertension (in the sense of a classical lameness work-up, optimizing trimming, etc.).
But it was great that he shared his knowledge and that he wanted to teach the audience and openly passed on his wealth of knowledge. He didn’t make a mystery of it, instead he explained what he did and how – which is precisely what makes a really good teacher. I was sorry that he primarily talked about Acupuncture, since he actually does a lot more than just Acupuncture.

Manolo loosened everything up with his charm, it was very amusing; he is very inspiring when doing in hand work in regards to seeing ways to straighten crookedness and getting the horse to show its full potential. To see him ride is pure pleasure!!! High level dressage exercises, completely relaxed on a lose reign with a smile – with a horse unknown to him. I have never seen this ease with any other rider!

It was also great to see that 20 – 30 of the 150 people in the audience were vets - I had not expected to see so many open for a holistic approach – especially for sports horse medicine this knowledge would be of great value, since the effect of these “little things” is much more pronounced in a high level sports horse than in an occasionally ridden trail horse.
The proceedings of the Symposium were really great – we got all the slides printed out, videos, a lot of links for follow up reading – and the Facebook group of participants and lecturers is still very active. (Also a great number of nice people, many of whom I know, and this open-minded atmosphere was really enjoyable).
In the analysis I wish there had been a little more teaching of the background knowledge, without questions from the audience, but straight from Manolo/Kerry, as well as a history of the horses. That would have been helpful for learning what to look for, for example what causes changes in the gait. A few more tricks for the professionals for identifying crookedness would also have been helpful

Back to the main theme:
In its natural stance, for example on a loose reign when out trail riding (hollow back + high neck) Kissing Spines and back problems are bound to occur, especially important to know in regards to trail horses, since the predominant opinion is “I just go trail riding on a loose reign, I don’t ask much of the horse anyways” – wrong conclusion!

To me it was important to hear, that proper trimming of the feet is very important in foals as little as 3 weeks old – pretty logical if the foal is borne with a malformation, but not quite as clear if it isn’t „wink“-Emoticon At this early age a lot of things can be changed easily and with little effort and therefore it should also be emphasized among breeders.


Further, it was important for me to be made aware that every single step the horse takes is important. Even just letting the horse wander around for fifteen minutes as a warm-up - I don’t get a benefit from that – make sure your horse walks correctly from the very beginning, help him to make every step a healthy step, without asking too much for just a warm-up. Every single step should be training for me, the horse and training towards straightness.

I found it helpful that lines were drawn on the horse to demonstrate its crooked muscles and its crooked way of travelling.
There could have been a little more guidance on training exercises, so we would be able to create a training plan, which would be important for the owners. It would be better to be able to tell them “do this exercise three times a week” than to tell them “do this exercise more frequently” – after good compliance in the beginning a certain neglect will creep back in after a while „wink“-Emoticon

Also the importance of stance could have been stressed more, especially for the hoofs, but also for the equipment (e.g. checking a proper saddle fit).
The riders/owners of the presented horses didn’t get a whole lot of helpful tips – we didn’t know what was done backstage in addition – so they would get more explicit instructions. It was too bad the participants didn’t get any information if and what the owners were told for their further training.

All together Dr. Rigway made us curious for Acupuncture, he sensitized us and opened our eyes, and he made Acupuncture look real easy. But the points he used are not classical points, you can’t find them in any textbook, and even if the horse shows you straight away if you have hit the point by not showing any more soreness in the affected muscle, it only gives you limited support in learning the technique.
(The effect of the Acupuncture treatment will usually last for a few days – long enough to give you chance to find your team of farrier, saddle fitting expert, trainer to optimize everything so you can continue training under good conditions.)

Samstag, 1. August 2015

Den Ursprung des Problem finden

Kürzlich hatte ich mit Sunny wiedermal ein Thema, und zwar meinte die Madame im Gelände recht flott sein zu wollen, etwas nervös, temperamentvoll und tänzelig...

Ich bin nicht unbedingt der Mensch der dafür Nerven hat und war schon recht frustriert. In diesen Situationen denke ich immer "Was würde ich einer Freundin raten, die dieses Problem hat?"

Und dieser Freundin würde ich mal zuschauen und versuchen die Situation zurückzuspulen. Was war vor diesem Tänzeln?
Das Pferd will nicht mal ruhig stehenbleiben mit Reiter drauf. Und davor? Das Pferd läuft beim Aufsteigen los!!! (-> absolutes No Go!!! Und ein paar mal hab ich das leider ignoriert gehabt und bin nicht wie früher extra noch so 30 Sekunden ruhig stehengeblieben nach dem Aufsteigen... tja... 1:0 für Sunny ;) )
Und davor? Man würde meinen, ein Level 4 Pferd sei wohlerzogen am Boden. Ist sie auch. Aber sie ist auch nicht doof und noch dazu eine Stute - und testet ständig und immer wieder die Grenzen.
Unbemerkt wird da ab und zu mal zu nahe gekommen, mit der Schulter ganz dezent gedrängt, vielleicht sogar mal ein Huf in meinen persönlichen Raum reingestellt während ich abgelenkt war.... und genau DA liegt bei den meisten Leuten schon der Schlüssel zu vielen Problemen:

Im Umgang wird zuviel Testerei gar nicht bemerkt oder sogar ignoriert, denn die eigentliche Arbeit beginnt erst am Platz ;)

Es heißt nicht umsonst "Den Respekt und das Vertrauen eines Pferdes holt man sich am Boden - oder gar nicht" - und präziser sollte es heißen, dass man von der ersten Sekunde an achtsam sein muss was man tut (oder auch nicht tut) und nicht erst um Punkt wenn man zur Reitstunde in den Sattel steigt.

Donnerstag, 8. Januar 2015

Wie wirst du ein guter Student/Reiter/whatever?

Wenn ich über ein Thema noch nicht so 100% Bescheid weiß, dann mache ich gerne einen Vortrag oder schreibe einen Artikel darüber :D Das gibt mir die Motivation, Zeit und den nötigen Druck mich damit sehr intensiv zu beschäftigen.
Und manchmal entstehen in den unmöglichsten Situationen die besten Ideen, weil der Kopf dann einfach mal loslässt und der Geist frei tanzen kann. Und oft sind es genau die Dinge, von denen ich eigentlich bräuchte, dass sie jemand anderer zu mir sagt, wie heute ;)

Worüber ich schon immer gerne schreiben bzw. vortragen wollte, ist die Frage wie man ein guter Student/Tierarzt/Reiter
-whatever- ist/wird.

Die Frage "Was ist Erfolg für dich? Woran merkst du dass du erfolgreich bist" ist von zentraler Bedeutung. Welches Ereignis, welche Situation gibt es in der du die Erkenntnis hast "ich bin erfolgreich!"?
Das ist individuell und es ist wichtig was es für DICH bedeutet - nicht in den Augen anderer!

Andere mögen denken du bist erfolgreich weil du ein dickes Auto fährst, eine schöne Frau/Mann hast, Familie. Doch was bedeutet es für DICH?
Sieh dies als oberste Sprosse der Leiter und bau deine Leiter/Stiege von oben nach unten beginnend auf, frag dich was es braucht um die oberste Sprosse erreichen zu können, welche "Zutat" ist nötig, welches Puzzleteil hilfreich?


Ich hab mir immer gesagt, ich bin erfolgreich als Tierärztin, wenn ich von kleinen Kindern Bilder gemalt bekomme mit ihrem Hund und einem "Dankeschön" dass ich ihn geheilt habe.
In Geld habe ich Erfolg noch nie bemessen (was als Tierärztin auch gut so ist) - wenn du ein gewisses Einkommen als Erfolgsfaktor ansiehst ist das völlig in Ordnung, mach dir klar dass das sein DARF wenn es für dich eine Definition darstellt.
Heute sehe ich das etwas anders (vielleicht weil ich mit Kindern kaum zu tun habe und Erwachsene so wenig malen ;) ), denn heute ist für mich von zentraler Bedeutung das Gefühl des Wachstums, des Besserwerdens zu haben - abends im Bett zu liegen und auf die Frage "Bin ich heute besser als gestern, habe ich heute dazugelernt?" (und sei es nur eine Miniminikleinigkeit, etwas was ich besser gemacht habe als letztes mal, etwas wo ich gedacht habe "gut gemacht". Dieses Gefühl wird mit den verschiedenen Phasen des Lebens auch unterschiedlich intensiv sein. Auf der Uni hab ich dieses Gefühl täglich gehabt, was einfach auch durch den Ablauf dort und das Neuland begründet ist - heute im Alltag sind neue Situationen seltener, und ich bin für meinen Lernerfolg ausschließlich selbst verantwortlich. Da ist kein Dozent der eine Vorlesung hält die ich besuchen muss, sondern es hängt von MIR ab ob ich zb. etwas nachschlage oder eine Fortbildung besuche oder mich mit Kollegen austausche)


Die wichtigsten Eigenschaften eines erfolgreichen Studenten (Anmerkung: Dazu brauchts keine Uni - du kannst genauso das Leben, die Pferde, die Reitkunst, etc. studieren, im Sinne von dich intensiv damit beschäftigen) sind meiner Meinung nach der unstillbare Wissensdrang, diese Neugier wie man sie auch bei jungen Pferden oft findet - gepaart mit etwas Querdenken, kreativem gedanklichen Austesten anderer Wege.
Eine große Vision haben - trau dich groß zu denken, kleiner werden deine Träume von ganz allein, desillusioniert wird man zu schnell von außen, also fang besser mit richtig großen Träumen an. Deine Vision muss eine etwas größere Schuhgröße haben als du ohnehin hast - wenn du dir zu sicher bist alles schaffen und erreichen zu können liegt sie zu sehr in der Komfortzone und bietet dir zu wenig Wachstumsanreiz.

Fragen stellen! Sei lästig, stelle viele Fragen, doch denk vorher darüber nach - denn anhand der Qualität der Fragen lässt sich mehr feststellen über eine Person als an Antworten! Und mit guten Fragen hinterlässt du bleibenden Eindruck!
Der Willen zu Lernen - auch wenn es unbequem wird. Nimm JEDE Gelegenheit wahr um zu lernen (auch, wie man Dinge 'nicht' machen soll sind oft wertvolle Erfahrungen) und hier fällt mir sofort Steve Jobs ein, nicht nur weil ich seine Biographie gerade als Audio höre, mit seinem "Stay Hungry, Stay Foolish" http://youtu.be/DpMwWaxoI4Y
Spring auch über deinen Schatten, machs dir unbequem! Wenn du "Hummeln im Hintern" hast vor Aufregung, weil du dich noch nicht so ganz 100% drüber aussiehst und alles etwas ungewiss ist, dann bist du auf dem richtigen Weg. Lass das dein Wegweiser sein, begibt dich außerhalb deiner Komfortzone, erweitere sie - und genieße den neuen Handlungsspielraum, die gewonnene Freiheit die du hast wenn du dann siehst, wieviele Sorgen du dir umsonst gemacht hast und was du eigentlich alles schon kannst und schaffst (manchmal muss man etwas ins kalte Wasser geworfen werden/springen).

Frage dich stets "Ist das jetzt etwas, was ich bereuhen würde nicht getan/gefragt/gesagt zu haben, wenn ich am Sterbebett liegen würde?". Eine harte Frage, doch eine sehr hilfreiche, finde ich, denn sie lässt dich mutig werden.
Wie hat man uns an der Uni gesagt? "Lern den Untersuchungsgang ordentlich, schlampig wirst von alleine" - also gewöhn dir gewisse Abläufe so ordentlich und perfekt an wie nur möglich. Only perfect practice makes perfect!
Dabei spielt es keine Rolle ob es eine simple Angelegenheit wie Boxen misten ist oder etwas wichtigeres, wie zb. eben ein Untersuchungsgang. Beherzige diese Regel für jede Tätigkeit in deinem Leben, mach die Dinge so perfekt wie möglich, auch die Kleinigkeiten, denn schlampig wird man von alleine!

Do what's necessary, then do the possible and suddenly you're doing the impossible!
Dieser Satz war für mich der wichtigste in der Prüfungsvorbereitung und jetzt ist für mich wichtig, das 'kleine bisschen mehr' zu tun als notwendig, egal in welchem Lebensbereich.
Frag dich, was die perfekte Version von dir selbst jetzt tun würde (oder auch dein Vorbild - das hat mir reiterlich oft geholfen, mich zu fragen was jetzt zb. Pat Parelli denken und tun würde und dann spiel ein kleines Rollenspiel!)


Kürzlich hat jemand einen wichtigen Satz zu mir gesagt "...denn es ist DEIN Leben" mach dir das bewusst, mach das Beste draus! Mach das was DU willst (blöd reden tun die anderen sowieso, egal ob du die Dinge gut oder schlecht machst, nach deren Erwartungen oder nicht...), du DARFST das tun was du möchtest, aber du bist auch dafür verantwortlich dass das geschieht.
 

Und warte nicht, bis du dich bereit für jede Aufgabe fühlst - manchmal wartest du dann ewig.

Freitag, 17. Oktober 2014

Das S.A.D.D.L.E. Konzept

Das S.A.D.D.L.E. Konzept (nein es geht nicht um Sättel ) von Lillian Roquet finde ich sehr hilfreich zur Verbesserung der Kommunikation mit dem Pferd:

Eine Übung "verbessern" zu wollen ist eine etwas wage Beschreibung - bestimmte, einzelne Aspekte rauszupicken auf die man sich fokussiert bringt mehr Fortschritt, da das Ziel klarer wird.

Ganz nach dem Motto "Isolate, Separate, Recombine" steht das Konzept für :

S.A.D.D.L.E
S=Speed, A=Accuracy, D=Distance (from your Horse), D= (distance you can go), L=Lightness, E=Expression


Statt einfach zum Pferd zu gehen mit dem Vorhaben, "heute machen wir unser Seitwärts besser ", nimmst du dir einen Buchstaben, etwa die "Leichtigkeit", (Wichtig: du nimmst dir immer nur einen Buchstaben nach dem anderen vor!) alle anderen Aspekte sind in diesem Moment dann egal, egal wie weit oder schnell das Pferd geht, wie weit du weg bist vom Pferd, welchen Ausdruck es hat, du konzentrierst dich nur auf die "Leichtigkeit", sobald du für nur ein paar Momente hast was du suchst... du fühlst mehr Leichtigkeit, hörst du sofort auf. Danach wechselst du auf einen anderen Buchstaben und fokussierst dich nur darauf, vlt auf Entfernung...du fragst dein Pferd, "wie weit kannst du seitwärts gehen", wieder sind alle anderen Aspekte völlig egal, egal wie hoch du in den Phasen gehen musst usw. sobald du das Gefühl hast das Pferd hat dich verstanden und geht länger seitwärts, hörst du auf. Dann nimmst du dir vielleicht den Ausdruck... wie muss ich fragen, dass ich einen positiven Ausdruck vom Pferd bekomme, usw.

Montag, 15. September 2014

Keine Panik!

Den Artikel von Nicole Steiner fand ich so großartig, dass ich sie darum gebeten habe ihn auch hier veröffentlichen zu dürfen, vielen lieben Dank an Nicole und euch viel Spaß beim Lesen! :o)


Keine Panik!

Wenn Pferde in den „Panik-Modus“ umschalten, kann es schwierig sein die eigene Angst unter Kontrolle zu halten. Gerade das ist aber wichtig, um dem Pferd ein guter Partner zu sein und ihm zu helfen, seine Angst zu bekämpfen.
Unerwartete Situationen können Pferd und Reiter jederzeit begegnen und mehr oder weniger „schrecklich“ sein. Genauso gibt es manchmal ein bekanntes Gespenst, das immer wieder an der gleichen Stelle lauert. In beiden Fällen kann man mit den richtigen Ideen und Übungen das negative Muster unterbrechen und die Situation für beide Seiten entschärfen. Umso mehr „Pfeile“ man in seinem Köcher dabei hat, desto größer ist die Chance in der Schrecksituation die richtige Strategie zu finden.

Die unerwartete Gefahr
Pferd und Reiter bummeln gemütlich dahin und plötzlich fliegt im Gebüsch ein Vogel auf, ein lautes Geräusch ertönt oder ein Hund springt bellend an den Zaun. Das Pferd reißt den Kopf hoch, springt zur Seite oder versucht zu fliehen. In diesem Moment hat man wenig Zeit um zu reagieren und es geht in erster Linie um die Sicherheit von Pferd und Reiter – sprich im Sattel zu bleiben und das Pferd vor einer Verletzung zu bewahren.

Ein Zügel ist besser als zwei


Um in einer solchen Situation die Kontrolle wiederzuerlangen, eignet sich oft ein Zügel besser als beide. Den Zug auf beiden Zügeln kann ein Pferd in Panik leichter ignorieren, zieht der Reiter fester an einem Zügel, dreht er das Pferd ein - auf einem kleinen Radius kann es nicht mehr so schnell laufen und lässt sich dann leichter unter Kontrolle bringen. Diese Notbremse durch laterale Biegung lässt sich auch im Vorfeld üben und noch effektiver machen.
Zuerst wird im Stehen das Drehen des Kopfes auf beide Seite geübt. Dazu den Zügel auf dieser Seite annehmen und zum eigenen Körper und leicht nach oben führen, bis das Pferdemaul einen leichten Zug verspürt. Die Spannung wird erst nachgelassen, wenn das Pferd den Kopf in die gewünschte Richtung dreht. Die meisten Pferde verstehen die Übung sehr schnell und sie kann der Reihe nach auch im Schritt, Trab und Galopp geübt werden. Jetzt wird die Spannung am Zügel aber erst nachgelassen, wenn das Pferd den Hals gebogen hat UND stehen geblieben ist. Wird dieser Not-Stopp Schritt für Schritt eintrainiert und dann gelegentlich wiederholt, ist er mit großer Wahrscheinlichkeit auch in einer Schrecksituation sofort abrufbar.

Daraus lernen statt sich fürchten

Gerade wenn man im Schreckmoment selbst kaum Zeit hatte nachzudenken, kommt häufig danach die Gedankenspirale im Kopf. Beim nächsten Ritt ist man dann schon von Anfang an nervös und hält Ausschau nach möglichen Gefahrenquellen. Das spürt das Pferd natürlich sofort und ist ebenfalls angespannt und alarmiert. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Schreckerlebnis wiederholt, steigt bei solchen Voraussetzungen.
Sinnvoller ist es, sich einmal bewusst mit dem Erlebten auseinanderzusetzen, sich zu überlegen ob man das Problem früher hätte erkennen können (zB Anspannung des Pferdes bereits einige Sekunden bevor es sich erschreckte), was man in der Situation hätte besser machen können und ob es sich um eine Gefahrenquelle handelt, mit der man das Pferd vertraut machen kann, um ein Erschrecken in der Zukunft zu vermeiden. Danach soll und muss das Erlebnis ad acta gelegt werden. Wenn das nicht leicht gelingt, helfen mentale „Löschstrategien“ wie das Bild von einer Tafel löschen oder die erlebte Situation gedanklich von einem Fluss wegspülen zu lassen – Hauptsache sie verschwindet nachhaltig.


Die einschätzbare Gefahr

Viele Pferde haben Stellen im Gelände oder am Hof, Gegenstände oder andere „Gespenster“, die ihnen schon aus einiger Entfernung ungeheuerlich sind oder vor denen sie sich sogar regelmäßig schrecken. Dass man sich diesen Gespenstern nähert, merkt man meist schon einige Zeit vorher, weil das Pferd sich anspannt, versteift, den Schritt verlangsamt oder sich klammheimlich hinter den anderen Mitreitern versteckt. Hier heißt es vorbeugen und verschiedene Strategien ausprobieren, um dem Pferd zu helfen seine Ängste zu überwinden.

Anführer sein

In erster Linie heißt das, dass wir uns nicht von der Panik des Pferdes anstecken lassen dürfen, selbst ruhig bleiben und überlegt handeln müssen. Fürchtet sich der Reiter, wenn auch eher vor der Reaktion des Pferdes als vor dem Gegenstand selbst, sendet er unmissverständliche Signale an sein Pferd aus. Das Pferd wiederum fühlt sich in seinem Instinkt bestätigt und wird sich erst recht fürchten.
Weiters bedeutet der „Anführer“ zu sein aber auch, seinem Pferd aktiv zu helfen die Situation zu überstehen und sich zu beruhigen. Wer keinen Plan hat, verliert auf Dauer Punkte in der Rangordnung.

Körperhaltung und Atmung

Wer sich anspannt, die Luft anhält oder flach atmet, hat Angst, soviel ist jedem Pferd klar. Also ist es sinnvoll, gerade in einer angespannten Situation darauf zu achten, bewusst tief und ruhig in den Bauch zu atmen und die Muskeln in einem möglichen Maß entspannt zu halten. Sitzt der Reiter angespannt am Pferd, klammert mit Beinen und Zügeln, hat das Pferd eher das Gefühl ein Raubtier im Nacken zu haben, als seinen vertrauenswürdigen Partner. Die Schwierigkeit besteht darin, genug Körperspannung zu haben um bei einem eventuellen Sprung des Pferdes im Sattel zu bleiben und trotzdem eine lockere Haltung anzunehmen. Eine ruhige Atemfrequenz lässt sich erreichen, indem man lange ein- und doppelt solange ausatmet. Als Hilfe kann man beim Einatmen bis drei zählen und beim Ausatmen bis sechs. Weiters hilft es, sich vorzustellen in der Körpermitte mit schwerem Sand gefüllt zu sein und die Beine lang zu machen. Damit wirkt man den typischen „Klammerbewegungen“ entgegen. Wer das zu Hause gelegentlich übt, kann es im Ernstfall leichter abrufen und damit dem eigenen Körper und seinem Pferd ein Stück Ruhe vermitteln.

Nach vorne schauen

Hat das Pferd etwas Besorgniserregendes entdeckt, wird es meist langsamer, bleibt stehen oder versucht zur Seite auszuweichen. Automatisch richtet der Reiter seinen Blick auch auf das Objekt, gerade dieser Focus vermittelt dem Pferd aber, dass es damit wirklich etwas auf sich hat. Besser ist es, den Blick in die Ferne zu richten – natürlich in die Richtung in die man reiten möchte – und dem Gegenstand gar keine besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Oft gibt das dem Pferd schon genügend Sicherheit, um sich vorbei zu trauen.

Ablenkung
Um ein unruhiges Pferd von der vermeintlichen Gefahr abzulenken, eignen sich auch zB Seitengänge sehr gut. Schenkelweichen, Schulterherein, Kruppherein –natürlich werden es keine turnierreifen Lektionen werden, sie sollen nur bewirken dass das Pferd sich auf den Reiter und die gestellte Aufgabe konzentriert. Durch das Abfragen solcher Übungen zeigt der Reiter dem Pferd, dass er selbst keinen Grund zur Besorgnis sieht und deshalb die Aufmerksamkeit des Pferdes einfordert.

Gut zu Fuß

Für viele Pferde ist es sehr beruhigend, ihren ranghöheren Partner in der stressigen Situation dort zu haben wo sie ihn auch sehen können. So „führt“ der Mensch sie durch die Gefahrenzone und sie sehen unmittelbar an dessen Körperhaltung, dass er ganz entspannt ist und somit auch keine Gefahr drohen kann. Das soll nicht heißen, dass man als Reiter in jeder schwierigen Situation abspringen soll, aber besonders bei chronisch-schwierigen Stellen im Gelände ist es einen Versuch wert, sie dem Pferd einmal vom Boden aus näher zu bringen. Idealerweise aber nicht mit Trense und Zügel, sondern mit geeignetem Halfter und einem langen Seil, um dem Pferd genug Freiraum geben zu können und sich selbst nicht in die Gefahrenzone eines wegspringenden Pferdes zu bringen.


Annäherung und Rückzug

Annäherung und Rückzug ist ein Prinzip, das sehr dem natürlichen Wesen des Pferdes entspricht und deshalb viel im Natural Horsemanship gelehrt wird. Steckt man also in einer Situation fest, in der das Pferd ernsthaft Angst hat, wie an einer Schwelle stehen bleibt und nicht mehr weiter will, sollte man es nicht mit allen Mitteln zwingen, sondern ihm die Zeit geben sich der Gefahr seiner Natur entsprechend anzunähern.
Steht es an der „Schwelle“, wird das Pferd erst einmal rückwärts gerichtet, bis eine Distanz zum vermeintlich gefährlichen Ort/Objekt hergestellt ist, in der das Pferd sich wieder sicher fühlt, dann wird es wieder freundlich zum vorwärts gehen animiert. Traut sich das Pferd weiter nach vorn als beim letzten Mal, lässt man ihm eine kurze Pause, dann geht’s wieder rückwärts und wieder nach vorne. Das ganze Spiel wird einige Male wiederholt, dabei sollten jedes Mal ein bisschen weniger rückwärts nötig sein, damit das Pferd sich entspannt und ein bisschen mehr vorwärts möglich sein, bevor das Pferd an seine Grenze stößt. Natürlich muss man sich für diese Übung Zeit nehmen, aber sie stärkt das Vertrauen des Pferdes in seinen Reiter (weil es nicht genötigt wird, sondern eine natürliche Verhaltensweise anwenden kann), sie stärkt die emotionale Fitness des Pferdes (weil es sich mit der gefürchteten Situation intensiv auseinandersetzen muss und die belohnende Pause dann bekommt, wenn es einen Fortschritt schafft) und macht das Passieren der schwierigen Stelle im Endeffekt zur eigenen Idee des Pferdes – was für eine langfristige Verbesserung ein großer Schritt ist.




Flowerpower

Sowohl für das Pferd als auch für den Reiter sind Bachblüten eine große Unterstützung bei der Verarbeitung von Schreckmomenten. Empfehlenswert wären zB
Rock Rose –bei Panik und großer Angst.
Star of Bethlehem – bei körperlichem oder seelischem Schock.
Mimulus – bei Angst vor bekannten Dingen oder Situationen.
Haben Pferd und Reiter gerade einen großen Schrecken hinter sich, ist es immer gut die Notfalltropfen zur Hand zu haben – eine Blütenmischung für Notfälle, die Rock Rose, Star of Bethlehem und drei weitere Bachblüten beinhaltet.

Fazit
Gegen einen Schrecken ist man beim „Fluchttier Pferd“ nie ganz gefeit, durch eine gute Beziehung zwischen Mensch und Pferd und ein paar Notfallstrategien lässt sich aber dafür sorgen, dass weder Pferd noch Mensch einen dauerhaften Schaden davontragen. Schließlich soll die Zeit mit dem Pferd ja entspannend und angenehm für beide Seite sein.

Checkliste

Sicherheit geht vor – die Verletzungsgefahr für Pferd und Reiter so gering wie möglich zu halten, sollte im Schreckmoment oberste Priorität haben.

Ein Zügel statt zwei  - als Notbremse eignet sich der Zug an einem Zügel oft besser, da das Pferd den Kopf drehen und auf einem kleinen Radius automatisch das Tempo drosseln muss.

Nachdem man sich gedanklich mit dem Schreckmoment befasst und daraus gelernt hat, ist es wichtig die Situation wieder aus dem Gedächtnis zu löschen, damit die Angst nicht ständig mitreitet.

Der Reiter sollte gerade in stressigen Situationen beweisen dass er ranghöher ist und seinem Pferd helfen die Angst zu überwinden.

Eine möglichst entspannte Körperhaltung und tiefe Bauchatmung vermittelt dem Pferd die nötige Ruhe.

Nach vorne schauen, statt selbst auf das furchterregende Objekt zu starren, gibt dem Pferd Focus in die richtige Richtung.

Aufmerksamkeit einfordern – durch Seitengänge oder ähnliche Lektionen muss das Pferd sich mehr auf den Reiter konzentrieren.

Vom Boden aus lassen sich manche Gespenster leichter erforschen, der Mensch ist als ruhiges Vorbild für das Pferd greifbarer.

Annäherung und Rückzug ist eine sehr pferdegerechte Strategie, die dem Pferd ermöglicht, sich in seinem ganz eigenen Tempo dem Objekt anzunähern.

Flowerpower in Form von Bachblüten ist eine gute Hilfe für Pferd und Reiter, um Erlebtes zu verarbeiten und gestärkt in neue Situationen zu gehen.




Mittwoch, 3. September 2014

Der Clickerkurs

Als immer größerer Clicker-Fan hab ich natürlich schon hart darauf gewartet dass der Clickerkurs rauskommt. Teil 1 hab ich für euch gelesen und rezensiert.
Fazit vorweg: SEHR empfehlenswert, das Beste was ich zu dem Thema bisher gelesen hab! Wenn ihr euch einesen wollt ins Clickertraining, dann würd ich sofort dieses Ebook kaufen! www.clickerkurs.de

Es gab einige neue Dinge auch für Nicht-ganz-so-Newbies wie mich zu lernen, wichtige Erkenntnisse und vorallem wichtig: Stolpersteine und wie man diese vermeidet, zb. welche Regeln und Übungen wichtig sind damit das Pferd nicht zum kopflosen Leckerlisuchmonster mutiert.


Natural Horsemanship arbeitet ja grundsätzlich mit negativer Verstärkung, sprich mit viel Druck (Gewaltfrei finde ich NH keinesfalls, was nicht automatisch schlecht heißt, aber dem Pferd wird oft einfach nur gesagt "das war falsch" und nicht "heiß, heiß, heeeeiiiiißer, gaaanz heiß..." - es wird oft zu wenig gezeigt was genau gewünscht ist, und die Belohnung liegt oft im mehr oder weniger starken Ignorieren - Neutral sein, Druck wegnehmen. Das funktioniert für ganz viele Pferde super - aber eben nicht für alle und motivierend ists auch nicht immer. "Nicht geschimpft ist genug gelobt" eben - ein Verhalten was ich im Berufsleben SO hasse!
Freddie Knie jun. hat hier so augenöffnend gesagt "Wenn mein Pferd es als Lob versteht, dass ich es in Ruhe lasse, dann habe ich etwas falsch gemacht"

SEHR GUT fand ich hier den Gedanken zur so häufig gehörten Aussage "Ich möchte aber dass das Pferd das für MICH tut, nicht für das Leckerli".
Arbeitet man jetzt mit negativer Verstärkung, tut das Pferd das Gewünschte weil es Druck/Schmerz vermeiden möchte. Ist das wirklich die bessere Motivation?
Nachdem wir ja auch nicht umsonst täglich zur Arbeit gehen finde ich, dass auch fürs Pferd was dabei rausspringen muss.
NH ist übrigens sehr wohl mit Clickertraining kombinierbar, auch wenn die Hardcoreclickerer das abstreiten. Bekannte Größen im Clickertraining als auch NH Bereich, wie zb. Sylvia Czarnecki, beweisen dass man mit der Kombination aus beidem tolle Erfolge haben kann und auch Sunny und ich kombinieren diese Methoden schon lange. (Und ja, ich sage hier bewusst "Methode" ;) )

Wichtige Fragen sind hierbei:
- Wäre ich jetzt das Pferd, wüsste ich genau wofür ich gerade gelobt wurde?
- Was ist das exakte Verhalten das mein Mensch gerade sehen will?


Es muss auch nicht immer ein Leckerli sein - das Pferd entscheidet, was ein Lob
Clicker, Zügel und Gerte - kein Problem!
ist und das kann auch Kraulen sein zb. und sofern man das Pferd nicht dauerbeschallt indem man ständig quatscht kann man auch ein Stimmlob einsetzen. Für welches Pferd und wann welches Lob geeignet ist, dazu hat der Clickerkurs eine gute Liste.
Clicker gibts veschiedene, von welchen die man ums Handgelenk hängen kann über Pfeifen und Ringclicker bis hin zum Zungenclick - was einem halt mehr liegt soll verwendet werden.

Ein gutes Timing ist auch hier entscheidend und der Longenkurs gibt Tipps um dieses zu üben und Theorie zum Timing. Gut fand ich die Übung mit einem Partner, der einen Ball dribbeln soll und man immer Clicken soll wenn der Ball den Boden berührt. Sind 60% der Clicks gut getimt lernt das Pferd trotzdem noch (was ich echt wenig finde).


Nachdem der Clicker ein Hilfsmittel ist, wird er natürlich auch wieder ausgeschlichen, sodass man ohne ihn auskommt wenn das Pferd die Übung verstanden und gelernt hat. Hierzu gibt der Clickerkurs eine gute Anleitung über die Variable Verstärkung, welche die Motivation erhält, und das Ausschleichen des Clickers.

Schön fand ich auch den Satz, dass man ein guter Spielpartner fürs Pferd ist, wenn es möglichst viele gestellte Anfragen mit "Ja" beantworten kann :)
Dazu sind einfache, interessante Fragen nötig - sprich kleine Schritte werden belohnt im Lernprozess.
Ein "Nein" stellt lediglich eine Information dar, welche sagt dass das Pferd etwas nicht tun KANN (Schmerzen oder Angst vor Schmerz) oder die Motivation zu GERING ist (es sieht den Sinn darin nicht) oder einfach NICHT VERSTEHT was verlangt wird.
Viele Step-by-Step Anleitungen und Bilder erklären auch anschaulich, wie man ein Puzzle aus dem Lernen macht und gewünschte Verhaltensweisen rückwärts erarbeitet.

Natürlich finden auch Karen Pryors "10 Regeln des Formens" einen Platz (diese können leicht ergoogelt werden) und werden verständlich erklärt.

Etwas womit ich mich noch weniger befasst habe ist das Targettraining, welches im Klickerkurs natürlich auch Platz findet. Wann welche Targets Sinn machen (zb. Bodentarget) wird auch beschrieben und ich fand die Methode des Verladens mittels Targets interessant - meiner Meinung nach die netteste Methode des Verladens und wesentlich stressfreier und angenehmer als Verladen nach NH-Methoden!

Ganz wichtig fand ich auch die Gedanken zum "Generalisieren", das heißt dass eine Übung zb. nicht nur am Reitplatz gezeigt werden kann, sondern zb. auch bei einer Show.
Wir denken oft dass das Pferd bockig ist, wenn Übungen die das Pferd eigentlich schon kann in einer anderen Umgebung, wie zb. am Kurs, nicht klappen. Hier vergessen wir leicht, dass sich für das Pferd die Umstände geändert haben, in dem Fall der Ort oder manchmal auch nur die Stimmung des Menschen.

Teil 2 und 3 des sehr umfangreichen Ebooks befasst sich dann noch mehr mit konkreten Übungen am Boden und unterm Sattel :)

Samstag, 9. August 2014

Physio-Riding Reitanalyse


von Sabine Bruns
http://www.amazon.de/PHYSIO-RIDING-Die-Reitanalyse-Tierphysiotherapeutische-Erkl%C3%A4rungen/dp/3940139009/ref=sr_1_4?ie=UTF8&qid=1407583718&sr=8-4&keywords=physio+ridingAmazon Link

Dieses Ebook beschreibt zb. was der falsche Knick ist und wo man was fühlen sollte wenn man ein Pferd abtastet, sowie die Auswirkungen und Ursachen von Problemen.
Einige Dinge haben mir sehr gut gefallen, wie zb. die Erklärung warum Hilfszügel nicht gut sind, denn diese Verhindern den für die Durchblutung (und somit Muskelaufbau und Verspannungs-Verhinderung) ständigen Wechsel zwischen Anspannung - Entspannung und Dehnung. 


Ebenso werden Zusammenhänge zwischen Muskelproblemen und Erkrankungen (zb. Verspannungen im M. serratus ventralis und Sehnen- sowie Hufrollenerkrankungen) aufgezeigt und warum es so schädlich ist ein Pferd direkt von der Box auf die Koppel toben zu schicken.
Oder wie man einen optisch gut ausgebildeten M. trapezius von einem gesunden und einem kranken Muskel unterscheiden kann.



Viele anschauliche Skizzen und Fotos machen die Worte sehr verständlich und zeigen, woran Probleme ersichtlich sind.



Ein möglicher Weg zu Gelenksblockaden


Das Reitergewicht erschwert zb. auch die Dehnung des langen Rückenmuskels, und dadurch tritt das Hinterbein nicht mehr weit genug vor, welches den Rückenmuskel beim Vorschwingen wie ein Gummiband dehnt.

Sie zeigt auch auf, wie der Reiter den Rückenmuskeln noch behindert (zb. durch Anspannen des Gesäßmuskels oder hartem Einsitzen uvm.)

Pfede die sich mit vorwärts-abwärts schwer tun müssen auch nicht zwangsläufig Halsprobleme haben, sondern auch Verspannungen in der Kruppe halten es von der Dehnungshaltung ab.

Es gibt auch 3 Bewegungsabläufe, die man durch die Beschreibungen im Buch sehr gut erfühlen kann beim Reiten, von denen nicht jeder Ablauf gesund ist.



Schön fand ich, dass endlich mal wo erwähnt wird, dass man das Reiten leider oft auf Schulpferden lernen muss, die selbst nichtmal die Vorraussetzungen für das geritten-werden erfüllen können und der Reiter so nie das Gefühl für "normal" und gesund bekommen kann. 

Viele Reiter müssen wieder umlernen und lernen die Muskeln zu entspannen, da sie nie gelernt haben auf dem Pferd zu entspannen.

Und man findet über 16 Gründe für Sitzprobleme!

Sehr anschaulich fand ich auch die Bilder der Funktionslinien - eine leicht nachzumachende Sache für Pferd als auch Reiter.

Freitag, 27. Juni 2014

Augen auf beim Trensenkauf

Die Sperrriemen-Story dürften meine treuen Leser mittlerweile kennen, doch es gibt noch weitere wichtige Dinge die beim Kauf und der Anpassung einer Trense (oder Kappzaum) wichtig sind und leider nicht so bekannt sind.


 
Stirnriemen und Genückstück:
Sehr oft haben Pferde zu kurze Stirnriemen, welche das Genickstück vorziehen und dieses unangenehm auf die Ohr Basis drückt. Es gibt inzwischen nicht nur XXL-Stirnriemen, sondern auch Genickstücke die an den Ohren Ausschnitte und Polsterungen haben, ähnlich wie die anatomisch geformten Sattelgurte.







 

Zu tiefe Verschnallung des Nasenriemens:
Hier kann bei angenommenem Zügel der Maulwinkel zwischen Gebiss und Nasenriemen eingeklemmt werden!














 


Zu hohe Verschnallung des Nasenriemens:
Häufiger anzutreffen ist ein Nasenriemen der gegen die Kante des Jochbeins drückt

















Und zu guter letzt, das Knotenhalfter - hier sehe ich oft die gruseligsten Dinge - auf Passform wird hier leider am wenigsten geachtet:
Viel zu tief sitzender Nasenriemen durch einen zu tief sitzenden Kehlriemen.
Bitte lest hierzu auch folgenden Blogpost: Das Knotenhalfter 1x1


Rezension: Die Pferde sind nicht das Problem

Ich wusste wirklich nicht was mich jetzt erwarten würde bei diesem Buch (leider gibts bei Amazon kein Inhaltsverzeichnis oder "Blick ins Buch" und als ich es bestellte noch keine Rezensionen), doch ich hatte im Gefühl es sei ein gutes Buch und ich wurde nicht enttäuscht.

Es ist sicher keine leichte Kost und keine Gute-Nacht-Lektüre, sondern braucht Zeit um gelesen und verstanden zu werden - und auch um ausprobiert zu werden, denn Maren zeigt einige Praxisbeispiele die man an sich oder an einem Partner probieren kann um die Biomechanik des Pferdes besser zu verstehen.



Wie sie selbst schreibt, fehlt dem Buch etwas der rote Faden, da es mehr eine Sammlung an Erklärungen ist und genauso ist es auch geschrieben. Teils provokant und sicher kein herkömmlicher Erklärungsstil, denn man kriegt den Eindruck einer sehr überzeugten, selbstbewussten Person gegenüber zu stehen, die einem klipp und klar sagt was Sache ist, was es recht amüsant für mich zum Lesen gemacht hat. 


Etwas mehr Struktur wäre zum Nachschlagen schon angenehm gewesen (das hat zwar das Inhaltsverzeichnis, aber beim Lesen kommts einen anders vor), denn ich habe sehr viele Markierungen machen können (und hoffe diese wieder zu finden) und ich hätte mir einen Hauch mehr Praxis fürs Pferd gewünscht, was in Büchern aber immer schwer zu vermitteln ist und dieses ist auch ein Theoriebuch. Soll heißen ein Kurs oder ein Praxisbuch von Maren wäre sicherlich interessant.

Wer einen Vorgeschmack aufs Buch, Inhalte als auch Schreibstil bekommen möchte, der sei auf Marens informativen Blog verwiesen: http://die-pferde-sind-nicht-das-problem.blogspot.co.at/p/maren.html
(Ich stelle grad fest dass Maren genauso aussieht wie man sie sich vom Schreibstil her vorstellt :) )


Zwei Dinge die mir besonders gefallen sind das Kapitel über Faszien (auch für Therapeuten interessant!) und die Arbeit mit inneren Bildern, wie im Centered Riding, welches die Autorin auch für die Bodenarbeit nahelegt.

Lange Rede kurzer Sinn: Maren sagt endlich mal was Sache ist und verschönert nichts und trifft sehr oft den Nagel auf den Kopf wo andere um den heißen Brei reden.
Besonders mag ich auch die Auszüge und Tipps für weitere Literatur die sie in dem Buch immer wieder gibt und die auf den ersten Blick so gar nicht passen wollen, aber so wertvoll sind.


Jedenfalls eines meiner Lieblingsbücher, ganz ganz toll!! 

Amazon Link

Rezension: Reitpferde richtig beurteilen

Lange habe ich nach einem passenden Buch gesucht welches mir helfen würde das Auge etwas zu schulen hinsichtlich der Beurteilung von anatomisch bedingten Stärken und Schwächen eines Pferdes. Es war gar nicht so leicht eines zu finden welches sich nicht auf die Basics beschränkt, denn anatomisches Wissen ansich habe ich ja - ich wollte praktische Hilfen haben.


Deshalb war ich wirklich positiv von diesem Buch überrascht, da es wesentlich mehr zu bieten hatte als ich erwartete. Viele praktische Beispiele von Beurteilungen von Pferden anhand von Fotos, inkl. Trainingstipps und auch gute Erklärungen anhand von Linien und Verhältnissen. Zudem gespickt mit vielen interessanten Details, wo ich noch einiges lernen konnte!

Fazit: SEHR empfehlenswert, vorallem wenn man sich ein neues Pferd kaufen will oder therapeutisch tätig ist und auch super für Trainer um Pferde besser einschätzen zu können!


Zu kaufen gibts das Buch zb. bei Amazon

Dienstag, 17. Juni 2014

Wie man sein Pferd gesund erhält

Mich frustriert es, täglich zu sehen wie Pferde unnötig erkranken und leiden, obwohl es so leicht zu vermeiden gewesen wäre. Mich macht es traurig zu sehen, wie Pferde in ihrer Box psychisch "abgeschaltet" haben und nur noch fast apathisch in der Ecke stehen.
Und mir tut selbst alles weh, wenn ich die schlecht bemuskelten Rücken, drückenden Sättel und schmerzenden Hufe sehe.

Wenn das Training und die Haltung und Fütterung und Hufpflege stimmen, kann man sich sehr sehr viele Tierarztkosten, viele Sorgen und vorallem dem Pferd viel Leid ersparen!


Das alles Beginnt zuerst mit Bildung!
Bitte lest Bücher und nehmt Reitstunden bei einem guten Trainer, bildet euch ständig fort um ein besserer Partner für euer Pferd zu sein! 

"Ich reite schon seit 15 Jahren und ich geh eh nur Gelände am langen Zügel" ist keine Ausrede sich nicht forzubilden, und seis nur über Pferdezeitschriften. 
Nur wenn ihr wisst, wie ihr euer Pferd langfristig gesund und leistungsbereit erhalten könnt, könnt ihr es auch tun!

Optimiert die Haltung eures Pferdes!
Euer Pferd ist derjenige, der 24h dort verbringen muss wo ihr es eingestellt hab, nicht ihr! Daher soll die Wahl des Einstellplatzes immer zu Gunsten des Pferdes entschieden werden und nicht wo ihr die meisten Freunde oder den größten Luxus als Reiter habt.

Als Chiropraktikerin habe ich die Erfahrung gemacht, dass Offenstallpferde und Pferde mit ganztägigem Koppelgang die wenigsten Blockaden haben.
Ein Pferd MUSS die Gelegenheit haben sich ausbuckeln und galoppieren zu dürfen. Ein 10x10m Paddock ist nicht ausreichend für ein Pferd, ebensowenig wie "ich lass es eh 1,2 mal die Woche in der Halle laufen", was meist eher ein Scheuchen ist.
Ebenso braucht das Pferd direkten Kontakt zu anderen Pferden, nicht nur über den Koppelzaun.

Silo und kiloweise Kraftfutter, wie zb. Müsli, machen euch auf Dauer das Pferd kaputt. Die Fütterung hat viel mehr Auswirkungen als auf den ersten Blick ersichtlich sind.
Erstklassiges Heu von Wiesen die für PFERDE gemacht wurden und ein gutes Mineralfutter sollte eigentlich Standard sein.
Wie unglaublich froh wäre ich, wenn die Besitzer von EMS (Equines Metabolisches Syndrom) Pferden nicht erst die Notbremse ziehen würden wenn die Hufrehe aufgetreten ist... 





Schlechter Beschlag/Hufpflege, Reiten mit unsachgemäßen Hilfszügeln, Reiter die dem Pferd bei jedem Galoppsprung in den Rücken knallen und Pferde die mit durchgedrücktem Rücken dahinlaufen.... das kann nicht gut gehen Leute!
Merksatz fürs Leben: Der Kopf ist nicht alles! Viel zu viele Reiter legen primär oder ausschließlich Wert darauf, ob das Pferd die Nase an der Senkrechten hat. Das Pferd besteht aus mehr als nur der Vorderhand, man mag es kaum glauben ;)
Wenn ein Pferd über die Hinterhand geritten wird, der Rücken schön schwingen kann, dann kommt der Kopf von ganz alleine in die Position die er haben soll. Zwinge ich mein Pferd in eine bestimmte Haltung durch Hilfszügel heißt das noch lange nicht dass der Rücken und die Hinterhand das tun, was sie tun sollen, damit das Pferd schadenfrei geritten werden kann!

BITTE legt mehr Wert auf Pravention, euer Pferd wird es euch danken!

Montag, 2. Juni 2014

Rezension: Giftige Gräser auf Pferdeweiden

Vanselow beleuchtet in ihrem Buch verschiedene Theorien zur Entstehung von Hufrehe, welche sie auch mit Studien untermauert. Neben Fruktanen und Insulin, MMPs gehts auch um Endophyten, also Pilze auf Gräsern.

Einige Interessante Häppchen aus dem Buch:

Ein 500kg schweres Pferd frisst im Schnitt 50-62kg Frischgras auf der Weide. Je länger die Pferde weiden, umso weniger fressen sie pro Stunde, was auch logisch ist, weil sie weniger Hunger haben als bei begrenzten Weidezeiten.

Es wird aufgezeigt welche Umwelt/Temperaturbedingungen den Fruktangehalt erhöhen (zb. Frost, Kälte, Dürre, starke Hitze) und welche Grassorten (und auch Getreidesorten! - Hafer ist am fruktanärmsten) besonders Fruktanreich sind. Das ist auch wichtig wenns um den optimalen Schnittzeitpunkt zur Heugewinnung geht! 
Rinder sind wesentlich unempfindlicher was all diese Faktoren betrifft als Pferde.

Sehr verständlich ist auch die Übersicht wie es durch Fütterung zur Hufrehe kommen kann. Kurz zusammengefasst verändert sich durch zuviel Fruktane, aber auch zuviel Stärke (stärkereich ist zb. auch Gerste und Mais) der PH Wert im Darm, wodurch die Mikroorganismen im Darm sterben und es zur Freisetzung von Giftstoffen dadurch kommt. Diese Giftstoffe schädigen unter anderem die Huflederhaut.
Immer wieder kommt sie auch auf Endophyten in Gräsern zu sprechen, also Pilze welche Gräser besiedeln und gut fürs Gras aber schädigend fürs Pferd sind.

Der Weg zur Hufrehe über Stoffwechselprobleme (EMS/Cushing) wird auch aufgezeigt. Ähnlich wie beim Menschen produzieren die Fettdepots bei Pferden Hormone und die Autorin hat noch interessante Details dazu geschrieben.


Sehr augenöffnend finde ich ihre Erklärungen, wie es auf Weiden dazu kommt,
dass nur noch schlechte oder giftige Gräser, wie zb. Hahnenfuß, wächst:
Oft werden Weiden alle paar Tage weitergesteckt, damit die Pferde "schön abgrasen und nicht soviel zertreten" und nicht zu dick werden. Dadurch beißen die Pferde allerdings die Gräser zu tief ab, aus Hunger, und zertrampeln sie intensiver da nur streifenweise weitergezäunt wird, was auch schlecht für den Boden ist.
Dadurch werden die "guten Gräser" geschädigt und Hahnenfuß, Ampfer und Jakobskreuzkraut kann sich leichter ausbreiten. Die Lösung, neben einer entsprechenden Reparatursaat, ist vorallem ein rechtzeitiger Weidewechsel.
Welche Saaten für Pferde geeignet sind, um die Wiese zu reparieren, erfährt man ebenfalls (Wichtig: Eine "Kuhweide" ist für Pferde idR nicht geeignet!).

Eine kurz abgenagte Weide ist auch nicht immer das Beste - je nachdem enthalten die kurzen Grasstümpfe erhebliche Giftgehalte, wie zb. Lotrilem B, Ergovalin und Lolin.
Welche Gifte durch Trocknung (Heu) verringert werden und welche Düngungen gut oder schlecht hinsichtlich des Giftgehaltes sind, erfährt man ebenfalls.
Interessant fand ich, dass Gifte zT durch Erhitzung (Pellets/Heucobs) NICHT zerstört werden, ebenso durch Silierung nicht. Heugewinnung mit entsprechend langer Lagerung ist hier oft der beste Weg, den Giftgehalt zu vermindern.

Neben Hufrehe können Giftstoffe im Gras noch viel mehr Schaden anrichten, wie zb. Geburtskomplikationen und unregelmäßigkeiten in der Fortpflanzung, soviel Veränderungen im Hormonhaushalt, Mineralstoffmangel, Hautprobleme, Kotwasser und Muskelprobleme...
Giftbindemittel und Nachweismöglichkeiten finden in dem Buch ebenso ihren Platz.

Noch was interessantes, weil man es oft sieht: Pferde die den Boden abschlecken (meist lehmigen/tonigen Boden) versuchen möglicherweise sich zu entgiften ;)

Montag, 14. April 2014

Wie erkenne ich Probleme im Bewegungsapparat von Pferden bevor sie sichtbar werden?

Heute gibts einen suuuuper spannenden Gastartikel von Thomas Meffert von www.Die-Therapie-im-Bewegungsapparat.de
Vielen lieben Dank Thomas und euch Lesern wünsche ich einige AHA-Effekte und viel Spaß beim Lesen!



Wie erkenne ich Probleme im Bewegungsapparat von Pferden bevor sie sichtbar werden?

Häufig werden Pferdebesitzer erst auf den Bewegungsapparat aufmerksam, wenn es zu Taktunreinheiten, Lahmheiten oder deutlichen reiterlichen Problemen kommt. Aber wenn man weiß, worauf man achten kann, ist es ganz einfach, schon viel früher Anomalien zu erkennen und ggfs. auch behandeln zu lassen.
Ein Großteil aller Probleme hat ihren Ursprung in der Wirbelsäule und im Beckenbereich. Die Symptome, die man dann an den Extremitäten sieht, sind in der Regel nur deren Folge. Das fehlende Wissen über diesen Zusammenhang bzw. die entsprechende Früherkennung führt dazu, dass viele Pferde falsch oder erst viel zu spät behandelt werden.
Währe es da nicht schön, sie könnten mit ein paar wenigen Handgriffen schnell und effizient überprüfen wie es ihrem Pferd im Bewegungsapparat geht? Im Folgenden erhalten Sie einen kleinen Ausschnitt von Prüftechniken, die sie ohne Gefahr an ihrem Pferd selber durchführen können. Damit können Sie indirekt abschätzen, ob und in welcher Region ein Problem vorliegt und welche Bedeutung dies für Sie und ihr Pferd hat.
Die beiden wichtigsten biomechanischen Strukturen eines Pferdes sind die Lendenwirbelsäule (im weiteren LWS) und der Übergangsbereich der Halswirbelsäule in die Brustwirbelsäule (im weiteren CTÜ). Die Lendenwirbelsäule versorgt nerval die Hinterhand. Aus dem CTÜ entspringt ein großes Nervengeflecht das die Vorhand versorgt. Störungen in Form von Wirbelblockaden in diesen Bereichen können die Nervenverbindungen negativ beeinflussen, was dann z.B. zum Stolpern bis hin zu schweren Lahmheiten führen kann.





1. Lendenwirbelsäulen Tests und deren Auswirkungen


Zur Überprüfung von Problemen in der LWS haben sie zwei Möglichkeiten, die sie immer in Kombination testen sollten: Zum einen ist es die Beweglichkeit des Schweifes und zum anderen die Bewegungsfreiheit der Hinterbeine während sie diese aufnehmen.


1.1 Schweif-Test


Sie fangen am besten mit dem Schweiftest an (Abbildung 1: Schweif-Test). Sie stehen neben der Kruppe Ihres Pferdes und umgreifen etwa zwei Handbreit hinter der Schweifrübe den Schweif von unten. Nun führen sie diesen langsam und vorsichtig nach oben, bis sie einen leichten Widerstand spüren und führen den Schweif danach wiederum langsam in die Ausgangssituation zurück. Wiederholen sie diese Pendelbewegung ca. 5-mal, so dass sie ein Gefühl für dessen Beweglichkeit bekommen.


Abbildung 1: Schweif-Test



Im Besten Fall sollte sich ein Schweif locker und leicht anfühlen und deutlich über die Waagerechte hinaus bewegen lassen. Je fester und stockender sich diese Bewegung anfühlt oder der Schweif beim Runternehmen nur langsam in die Ausgangsposition zurückgeht, umso wahrscheinlicher bzw. schwerwiegender ist eine Störung in der Lendenwirbelregion Ihres Pferdes.
Aber Achtung, der Umkehrschluss geht leider nicht auf: D.h. ein freigängiger, locker Schweif schließt eine LWS-Problematik leider nicht aus. Daher brauchen Sie noch den Test der Bewegungsfreiheit der Hinterbeine beim Aufnehmen, sollte der Schweifest negativ ausfallen.

1.2 Hinterbein-Test

Der Hinterbeintest muss auf beiden Seiten durchgeführt werden (Abbildung 2: Hinterbein-Test). Mit welcher Seite sie beginnen ist hierbei egal. Stellen sie sich vor, sie wollen die Hufe der Hinterbeine auskratzen.
Der Unterschied bei der Vorgehensweise für diesen Test ist allerdings folgender: Sie fixieren die Hinterbeine beim Aufheben nicht sondern fassen sie nur leicht und locker an (alternativ reicht auch leichtes anklopfen), so das Ihr Pferd ohne Einschränkung sein Bein vom Boden abhebt.


Abbildung 2: Hinterbein-Test


Ein Pferd mit einer gesunden Lendenwirbelsäule wird sein Bein ohne zögern, ganz locker anheben, für ein paar Sekunden 5-10 cm über dem Boden halten und dann wieder absetzen. Alle Abweichungen von diesem Mechanismus deuten auf eine Lendenwirbelproblematik ihres Pferdes hin.
Die häufigsten pathogenen Mechanismen sind in der folgenden Tabelle zusammengestellt:


Tabelle 1: Pathogene Mechanismen beim Hinterbein-Test



1.3 Reiterliche Auswirkungen bei LWS-Problemen

Sollte einer der beiden Tests oben positiv ausfallen, so werden sie gleichzeitig beim Reiten Auffälligkeiten beobachten. Der Galopp ist das biomechanische Spiegelbild der Gesundheit der Lendenwirbelsäule. Sie werden bei Lendenwirbelsäulenproblemen – vorausgesetzt ihr Bewegungsapparat hat keine statische Abweichung aus der biomechanischen Mitte – einen Galoppunterschied auf der rechten bzw. linken Hand bemerken, vor allem je kleiner die Volte ist auf der sie reiten. Die Seite auf der sich die LWS-Problematik befindet, wird weniger ausdauernd im Handgalopp sein oder ihr Pferd wird sogar in den Außengalopp wechseln. Auch ein wegknicken der entsprechenden Hinterhand könnten sie beobachten.


2. CTÜ Tests und deren Auswirkungen


Für die Vorhand, also zur Überprüfung des CTÜs können sie folgenden Test durchführen: Dieser Test muss auf beiden Seiten durchgeführt werden. Hierbei ist die Reihenfolge ebenfalls Ihnen überlassen. Im Folgenden wird der Test für die rechte Pferdeseite erläutert:


2.1. Vorhand-Pendel-Test

Sie stellen sich hierzu an die rechte Vorhand Ihres Pferdes und nehmen das Bein auf als wollten sie die Hufe auskratzen. Nun drehen sie ihren Körper um 180°, also so, dass sie nicht mehr in Richtung der Hinterbeine schauen sondern in Richtung Pferdekopf. Dabei müssen sie die Hand, die das Vorderbein hält von rechts auf links wechseln. Ihre linke Hand umgreift nun von unten das Fesselbein, d.h. Ihre Hand befindet sich zwischen Fesselgelenk und Huf. Das Pferdbein sollte im Vorderfusswurzelgelenk so abgewinkelt werden, dass der untere Beinbereich etwa waagerecht zum Boden verläuft. Nun greifen Sie mit ihrer freien rechten Hand in das Halfter Ihres Pferdes und ziehen den Hals ganz leicht zu sich heran, so dass eine minimale Biegung (5°-10°) in der Halswirbelsäule zu Ihrer Seite entsteht (Abbildung 2). Vergewissern sie sich selbst, dass sie sicher und entspannt mit leicht gebeugten Beinen in dieser Position stehen können.


Abbildung 3: Vorhand-Pendel-Test


Nun beginnt der eigentliche Testablauf: Sie versuchen das rechte Vorderbein Ihres Pferdes ganz locker vor und zurück zu pendeln, hierbei verändern sie die Abwinkelung im Vorderfusswurzelgelenk aber nicht. Das Pendeln sollte sich rund und Widerstandsfrei anfühlen. Nach ein paar lockeren Pendelbewegungen können sie die den Winkel der Halswirbelsäule langsam erhöhen in dem sie das Halfter weiter zu sich heranziehen. Sie wiederholen diese Schritte solange bis sie die Halswirbelsäule um 90° gebogen haben.

Sollte sich das Pendeln schon vorher stockender anfühlen oder ihr Pferd das Bein festhalten oder gar versuchen es wegzuziehen, beenden sie den Test vorzeitig.
Den Test interpretieren sie nun wie folgt: Je früher sie den Test beenden müssen, also je geringer die Biegung der Halswirbelsäule ist, umso stärker sind die Probleme im CTÜ-Bereich ihres Pferdes. Durch den Seitenvergleich der Testergebnisse erhalten sie einen Eindruck über die relativen Problemunterschiede auf beiden Halswirbelsäulenseiten.

2.2 Reiterliche Auswirkungen bei CTÜ-Problemen

Sollte der Test positiv ausfallen, so werden sie gleichzeitig beim Reiten Auffälligkeiten beobachten können. Dieses können zum Beispiel Stolpern auf der Vorhand oder ein Wegdriften über die äußere Schulter sein, bzw. natürlich unterschiedliche oder schlechte Biegsamkeit in Schritt und Trab.

3. Resümee

An Hand dieser beiden Tests für die Vor- und Hinterhand ihres Pferdes sehen sie, wie einfach es ist den Gesundheitszustand ihres Pferdes im Bewegungsapparat zu überprüfen. Natürlich gibt es noch viele weitere Merkmale an Hand derer sie Probleme im Bewegungsapparat ablesen können bevor es zu äußerlichen Symptomen kommt. Dieses Wissen vermittele ich in der Regel in eintägigen Seminaren, wo ich praxisnah und leichtverständlich zeige, wie man genau diese Probleme im Bewegungsapparat aufdeckt. Die Seminare sind für Pferdebesitzer aber auch für Fachleute anderer Fachdisziplinen geeignet, die einfach mehr über die biomechanischen Zusammenhänge von Pferden erfahren möchten.

Meine Motivation dieses Wissen weiterzugeben ist es, das vielen Pferden somit viel früher als bisher geholfen werden kann, und damit unnötigen und langwierigen Krankheitsverläufen vorgebeugt wird.
Weitere Informationen zu meiner Arbeit mit Menschen und Tieren finden Sie auf meiner Homepage: www.Die-Therapie-Im-Bewegungsapparat.de

Thomas Meffert - Die Therapie im Bewegungsapparat für Menschen | Pferde | Hunde

Mittwoch, 9. April 2014

Lernverhalten und Motivation I

Heute möchte ich euch ein paar grundlegende Prinzipien die das Lernen betreffen vorstellen.

Eine Möglichkeit das Pferd zu etwas zu motivieren ist durch positive Bestärkung. Das heißt, das Pferd tut etwas für eine Belohnung (zb. Leckerlie, Kraulen, Spielen etc.), klassisch sagt man "etwas positives wird hinzugefügt".
Timing ist hier sehr wichtig, da man dem Pferd in genau dem Moment sagen muss "toll, genau DAS ist es, was ich von dir möchte". Das ist besonders bei neuen Dingen sehr wichtig.
Bsp: Der Apfel nach dem Training, weil das Pferd so brav war, wird zwar gut schmecken, aber das Pferd wird nicht wissen wofür genau es jetzt belohnt wurde. Belohnt man direkt den Moment indem das Pferd etwas tolles macht, gibt man ihm direkt Feedback. Das motiviert Pferde ungemein!
Die schnellste Möglichkeit einen bestimmten Moment loben zu können ist ein Lobwort, oder noch besser, ein Signal wie zb. den Click eines Clickers.



Die negative Bestärkung hingegen beruht auf Vermeidungsverhalten: Das Pferd tritt im Schritt an, weil es Schenkeldruck spürt. Hier wird "etwas unangenehmes weggenommen", es weicht also dem Druck und sobald es das tut wird der Druck weggenommen. Hierauf beruhen ganz viele Prinzipien im Natural Horsemanship, die ihr sicher schon gut kennt. 
Wichtig: Druck heißt nicht unbedingt dass man das Pferd dazu berühren muss ;)


Strafe ist nicht das gleiche wie negative Bestärkung, sondern bestraft wird nachdem das Pferd etwas unerwünschtes gemacht hat.
Man kann hier wieder unterscheiden in positive Strafe und negative Strafe.

Bei der positiven Strafe erfolgt zb. der Klaps auf die Nase nachdem das Pferd einen gebissen hat.
Negative Strafe entfernt etwas Angenehmes, zb. bekommt das Tier keine Aufmerksamkeit mehr oder man nimmt ihm das Futter weg. 




Ganz tolle Links zum detailierten weiterlesen:
http://spassmitpferd.at.tf/
http://www.pferdewissen.ch/lernen.php