Samstag, 7. November 2009

Angst beim Reiten

Ich denke meine Erfahrungen, wie ich meine Angst beim Reiten überwunden habe, könnten einigen helfen, deswegen möchte ich hier mal davon berichten...

Ich weiß eigentlich nicht mal wirklich wie es angefangen hat und warum ich so große Angst bekam, weil ich nie eine wirklich schlimme Situation erlebt hatte. Früher war ich alles andere als ängstlich, eher sogar unvorsichtig, hab nie nachgedacht...

Als Sunny und ich den Stall gewechselt haben war sie lange Zeit sehr schreckhaft am Reitplatz und in einer bestimmten Ecke hat sie immer wieder unvorhersehbare Sprünge gemacht, die teilweise so weit gingen, dass sie quer über den Platz gerannt ist mit mir oben.
Ich bin dabei nie runtergefallen, aber ich habe begonnen mich immer unsicherer zu fühlen und in der "bösen Ecke" immer angespannter zu werden, bis ich dann sogar Angst vor dem Aufsteigen hatte, frustriert war, nicht mehr reiten wollte und dachte ich würde diese Angst nie mehr überwinden können.


Heute fühle ich mich fast immer völlig sicher auf Sunny und wir können wirklich beide Left Brained überall am Platz reiten. Wenn sie mal erschrickt, dann galoppiert sie nicht mehr meterweit weg, sondern zuckt nur noch kurz zusammen.


Ich habe mir damals sehr sehr viele Gedanken gemacht, warum das so war, dass ich Angst hatte und Sunny unsicher war am Platz. Geholfen haben uns beiden dann einige Dinge:

  • Emergency Dismount üben, üben, üben... auch wenn man schon im Level 2 oder höher ist, es tut jedem Reiter gut, das immer wieder zu üben. Mir gab das das Gefühl mehr Kontrolle zu haben und das Wissen "Ich komm jederzeit runter". Wenn ihr am Pferd sitzt und schon überlegt abzusteigen, dann steigt auch wirklich ab!!
  • Move closer, stay longer - ein Buch von Dr. Stephenie Burns, welches auch in den neuen (blauen) Level 2 Packs enthalten ist. Ihr Konzept basiert auf Annäherung und Rückzug.
  • Ich habe mir die Chaps angezogen, den Westernhut aufgesetzt und mir vorgestellt ich sei Pat Parelli und mich gefragt "Was würde Pat jetzt tun? Wie würde er denken?" :D 
  • Pushing Passenger Lessons - um meinen Sitz zu verbessern und ein gutes Gefühl auf Sunny zu bekommen, ihre Bewegungen kennen zu lernen und Vertrauen zu finden.
  • Übungen der Parelli Savvy Club März 2009 DVD, Titel "When you get scared" (kann man sich übrigens auch online im Club anschauen ;))
  • Kopfkino - wann immer ich Zeit hatte, habe ich mir ausgemalt wie es ist Sunny zu reiten und dass alles dabei wunderbar verläuft. Hier kann man die Situation wirkich völlig steuern und sich auch an seine Ängste herantasten.
  • Mein neuestes Bild beim Reiten hat sich eigentlich für einen besseren Sitz und mehr Harmonie ganz zufällig während dem Reiten entwickelt, und ich finde es recht lustig und ich glaube es hilft auch: Ich stelle mir vor wir wären eine Figur aus Schokolade, so wie die Schoko-Osterhasen, in Form von Pferd und Reiter, zusammengeschmolzen :D

Sunny hat geholfen: 
  • Dass ich mein Leadership verbessert habe am Boden durch das Level 2.+
  • Analyse woher die Angst kommt. Bei Sunny ist es gerne so, dass wenn ihr langweilig wird, sie anfängt "Gespenster" zu sehen. Ich habe dann die Patterns gespielt, direkt vor dem Hügel auch, und die Angst war weg, weil sie mental mehr gefordert war. (Hier hilft auch gut das Horsenality Modell! Siehe dazu hier: http://www.parelli-instruktoren.com/sites/parelli_success_dvds/dvd_nr._1_horsenality.html?lang2=de)
  • Mehr körperlich gefordert zu werden, nicht nur mental. Ich denke das ist gerade für extrovertierte Pferde wie sie auch sehr wichtig, dass sie ihre Füße genügend bewegen können und eine gesunde Balance zwischen mentalem und physischem Spiel ist.
  • Falling Leaf Pattern, wenn sie Right Brain war, nicht denken konnte und die Füße bewegen musste.
  • Annäherung und Rückzug 
  • Spielen aus Zone 4 und 5. Das gehört zu meine persönlichen Pre-Flight Checks. Wenn ich nicht am gesamten Platz aus den hinteren Zonen gespielt habe und Sunny cool war dabei, steige ich nicht auf. Insbesondere spielen wir das im Bereich um den "bösen Hügel" herum.
  • Extreme Friendly Game, auch aus den hinteren Zonen. Das spiele ich auch gern beim Spazierengehen draußen, während dem Gehen oder während Graspausen und versuche möglichst viel Lärm zu machen, Äste zum rascheln zu bringen, gegen Bäume zu schlagen mit dem Stick etc.
  • Grasen dürfen beim "bösen Hügel", sowohl auf dem Hügel, als auch im Reitplatz vor dem Hügel (dort warens halt Äpfel etc.)
  • Pause beim "bösen Hügel", um ihn zu einem Ort zu verwandeln wo schöne Dinge stattfinden, auch zb. das Ende einer Session -> dort absteigen, noch etwas sitzenbleiben, relaxen... 

Ich hoffe ich habe dem einen oder anderen einige Anregungen geben können! :-)

2 Kommentare:

  1. Wie immer - intressant :)! Vor allem das Kopfkino hat mir gefallen. Das kan ich machen wenn ich auf dem Weg zur Arbeit bin - auf der Fähre.

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  2. :-) Gestern hab ich abends im Bett versucht fliegende Wechsel zu galoppieren, also ich als Pferd. 4 Beine haben ist wirklich unglaublich schwer *g*

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