In Frankfurt habe ich viel gelernt. Unter anderem gabs auch eine sehr interessante Untersuchung zum Sitz von verschiedenen Gebissen im Maul.
Dass es den Nussknacker-Effekt nicht gibt, sollte eigentlich langsam bekannt sein, wie es auch die folgenden Röntgenbilder deutlich zeigen:
Trense in Ruhe:
Bemerkenswert ist hier, wie sehr das Maul "gefüllt" ist von der Zunge. Da gibts keinen Hohlraum, wie sich das so mancher vielleicht vorstellen könnte. Die Maul"höhle" ist von der riesigen Zunge ausgefüllt. (Auch ein Grund, warum ich dicke Trensen weniger gern mag)
Trense mit angenommenen Zügeln:
Die Trense drückt bei moderat angenommenem Zügel die Zunge gegen den Unterkiefer und hat keinen Kontakt zum Daumen. Mit anderen Worten heißt das, dass die Zunge gequetscht wird, und zwar nicht nur zwischen die Unterkieferäste, sondern durchaus auf die Laden und Zähne hin. (Die Zunge hat die dreifache Auflagebreite vom Unterkiefer)
Wenn man zwischen die Schneidezähne schaut sieht man, dass diese sich weiter voneinander entfernt haben.
Das Pferd auf dem Röntgenbild trägt ein nach FN-Regeln verschnalltes Reithalfter mit Sperriemen.
Wie die Zügelhilfen wirken wurde auch sehr eindrucksvoll dargestellt.
Hier einmal die Trense im Ruhezustand. Einfach gebrochene Gebisse liegen hierbei sehr mittig, was doppelt Gebrochene nicht tun (diese finden die Mitte nicht von selbst).
Auf dem nächsten Bild wurde der Zügel aufgenommen - und zwar dachte der Reiter, er habe beide Zügel gleichmäßig aufgenommen!
Die Trensenringe liegen jetzt am Kopf an, das Mittelstück kommt im Bereich der Laden zu liegen, die Trense liegt schief.
Mich hat fasziniert, wie groß die Zunge wirklich ist, dass sie viel viel breiter und dicker ist als angenommen und wie sehr sie durch das Gebiss gequetscht wird. Ich kann mir gut vorstellen, wie unangenehm das bei Dauerzug sein muss!
Und ich kann mir vorstellen, wie unangenehm es sein kann, wenn das Gelenk des Gebisses schief liegt und die Zunge auf die Laden drückt... (ganz zu Schweigen von dem oft gesehenen "Trensenring ins Maul ziehen" - was meist eh unabsichtlich passiert, vorallem wenn die Hände so schön zu den Oberschenkeln zurückgezogen werden... *grusel*)
Dass das Gebiss auf Zunge und Maulwinkel einwirkt sollte langsam auch zum Allgemeinwissen gehören (zumindest die Philipe-Karl-Reiter und die Parelli-Reiter sollten schon mal davon gehört haben) - was auch heißt, dass Zunge und Maulwinkel sehr schön verletzt werden können durch den unsachgemäßen Gebrauch eines Gebisses.
Inwiefern eine sog. "Zungenfreiheit" am Gebiss hier Besserung bringt ist schwer zu beurteilen, da dabei genau das Gleiche passiert wie bei Wassertrensen (es gab noch Aufnahmen von Kandaren mit Zungenfreiheit): Die Zunge wird nach unten gedrückt. Sieht man sich diese "Zungenfreiheiten" an, so sind die meistens nur Minimal oder viel zu schmal.
Über die Trensen-Empfehlungen haben wir natürlich auch diskutiert, aber wie erwartet gibt es DIE Trense für jedes Pferd nicht - es ist eine Sache der individuellen Vorliebe des Pferdes und des Reiters.
Sunny wird mit einer sog. Knebeltrense (einfach gebrochen) geritten, wie sie auch Philipe Karl verwendet. Ich mag daran, dass unser Modell sehr dünn ist, schön abgerundete Übergänge zu den seitlichen Schenkeln hat, und dass man die Ringe nicht ins Maul ziehen kann - ich hätte hier bei starkem Zug eine seitliche Einwirkung durch die Schenkel - was vermutlich aber nicht verhindert, dass das Gelenk auf Höhe der Laden zu liegen kommt.
Ob diese Trensen wirklich unruhiger liegen als Wassertrensen habe ich noch nicht beobachtet.




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