Dienstag, 10. Mai 2011

Brian Hampson über Laminitis bei Brumby Horses

Unsere Uni hatte das große Glück, dass Brian Hampson einen Gastvortrag über "Laminitis in Brumby Horses" gehalten hat und ich hatte das Glück, diesen Vortrag erleben zu dürfen :o)


Brian und sein Team waren sehr erstaunt, wie unglaublich viele der Australischen Wildpferde an chronischer Hufrehe litten. Hufe, die optisch tiptop aussahen und wo man nie Laminitis vermuten würde!


Sie haben 400 Hufe von 320 Pferden analysiert (auseinandergeschnitten und Messungen gemacht und auch Röntgenbilder) und dabei sind interessante Dinge herausgekommen.
Ein Unterschied zwischen domestizierten Pferdehufen und Wildpferdehufen liegt im Blättchenhorn:


Die Lamellen, die das Hufbein im Hornschuh aufhängen, sind bei Wildpferden nicht nur wesentlich mehr, sondern auch anders angeordnet. So finden sich im Zehenbereich mehr als doppelt soviel Lamellen als im Trachtenbereich. 

Sehr interessant fand ich auch die Erzählungen über die Lebensweise der Pferde. In Brians Hauptforschungsgebiet liegen die Wasserstellen oft über 100km auseinander, und die Pferde grasen im Umkreis von 30-60km und nach 3-4 Tagen kehren sie zur Wasserstelle zurück.
Das heißt, sie legen dann innerhalb von 24h bis zu 120km zurück (hin und retour) - ebenso die frisch geborenen Fohlen, was auch ein Grund sein könnte für die vielen Hufprobleme bei Wildpferden. 



In Australien gibt es ca. 6-7 Huftypen mit ca. 40 unterschiedlichen Parametern - abhängig von der Umgebung in welcher diese Pferde leben. Australien kann da sehr unterschiedlich sein vom Boden - weich und sandig, hart und steinig, aber auch Gras. 
Die Pferde, die auf weichem Grasboden (also ähnliche Verhältnisse wie unsere Pferde hier) lebten und primär ihre Zeit mit Grasen verbrachten, hatten zu 93% chronische Rehe, durch die Gräser bedingt, die dort wuchsen.
Gras-Hufe sehen in etwa so aus, wie die Hufe vieler unserer Pferde und sind vorallem zu lang gewachsen im Vergleich zu den "Steinigen-Hufen".




Außerdem haben sie Pferde in Australien eingefangen und über 3000km an einen anderen Ort gebracht, mit anderem Boden, und über 4 Monate beobachtet, wie sich der Huf geändert hat - und ein Huf kann sich in dieser Zeit dramatisch ändern, abhängig vom Boden auf dem das Pferd lebt! 
Auf hartem, steinigen Boden wuchsen die Hufe doppelt so schnell, als auf sandigem Boden.




Für mich ist das Idealbild eines Hufes immer dieser Wildpferdehuftyp vom steinigen Boden gewesen, welcher von Natural Hoof Care Schulen so propagiert wird. Heute ist mir klar geworden, dass in unserer Umgebung (meist weicher, grasreicher Boden) das ein unerreichbares Ziel ist und auch nicht passend für unsere Art von Boden. 
Die Wildpferde des steinigen Typs, mit diesem, für mich perfekten Huf, hatten bis zu 70% chronische Hufrehe!! 


Sein Team hat den Versuch gemacht, einige Pferde eine Mustang Roll zu machen, sodass die weiße Linie und der vordere Teil der Sohle fußt und die Hufwand nicht mehr. Eine andere Gruppe an Pferden ließen sie unbearbeitet, beide auf steinigem Boden über 4 Monate. 
Alle getrimmten Pferde gingen danach lahm! 
Brian hat gewarnt, eine zu extreme Mustang Roll zu machen - nur eine Leichte, nicht zuviel von der Hufwand wegnehmen. 


Brian ist ein unglaublich sympathischer Mann und ich könnte ihm stundenlang zuhören (Eines Tages sitz ich mit ihm und Chris Pollitt irgendwo in der Wüste beim Campfire!! ;) )! Es war sehr spannend zu hören, dass Wildpferde eigentlich gar nicht so gesund sind, wie viele von uns immer glauben - das gilt übrigens nicht nur für Hufe, sondern auch für Zähne!

3 Kommentare:

  1. Hallo Sunny
    Guter Beitrag,- ich hatte 'Wildpferdehufe' auch immer idealisiert und war ganz baff über Brians Ergebnisse. Meine Tochter ist zur Zeit bei Brian (wegen ihrer Diplomarbeit) und hat mir über Skype verschiedene präparierte Hufe von Pferden aus Regionen mit unterschiedlichen Böden gezeigt.
    Ich lese immer mal wieder in deinem Blog und auch meine Tochter schaut immer mal bei dir rein und da fand ich es einfach witzig, dass da auf einmal ein Beitrag über Brian Hampson steht :-)

    AntwortenLöschen
  2. Anke magst mir nicht deine Mailaddy schicken? (meine steht links im Menü)

    AntwortenLöschen
  3. ich hätte mir den Vortrag auch so gern angehört, musste aber arbeiten *grml*
    .... voll interessant!!!! Mein Idealtyp an Huf war auch immer der steinige Wildpferdtyp, da ich grad wieder mein Buch der NHC Schule hervorgekramt habe.

    lg, Klaudia

    AntwortenLöschen