Montag, 17. Oktober 2011

Rittigkeitssymposium - Infos zu Sätteln und Gebissen

Ich möcht euch gern ein paar bunt zusammengewürfelte, interessante Details erzählen, die ich beim Rittigkeitssymposium in Wien am Wochenende mitgenommen habe:




Sättel:


Getestet wurden per Druckmessung in Bewegung Sättel mit zu enger, zu weiter und passender Kammer. Bei der zu weiten Kammer waren am meisten Druckspitzen zu sehen, vermutlich durch die vermehrte Bewegung. 
Welche Art von Druck schädlich ist, ist nicht erwiesen. 


Das Reitergewicht sollte max. 15% vom Pferdegewicht ausmachen.
Belastung des Pferderückens:
Schritt - 1 fache vertikale Belastung
Trab - 2 fache
Galopp - 3 fache
Springen - 6 fache


Die Krafteinwirkung war im Trab im Entlastungssitz am geringsten, beim Leichttraben gabs Druckspitzen und beim Aussitzen am größten. 


Bei Jungpferden sollte der Sattel alle 3 Monate überprüft werden (beim Erwachsenen alle 6). 
Hier fand ich das Zitat schön: "Hufeisen werden auch alle 6-8 Wochen erneuert und wieder angepasst, der Sattel sollte hingegen bei den meisten Leuten aber oft 15 Jahre halten"


Bis ein passender Sattel gefunden ist kann man auch einige halbwegs passende Sättel abwechseln (nur Übergangslösung!).


Für Rittigkeitsprobleme ist der häufigste Grund eine verhärtete Rückenmuskulatur (oft bei Hinterhandlahmheiten). Mittelhäufig sind schlecht passende Sättel und selten ist die Polsterung zu hart.


Nach nur 6 Wochen kann es zu Veränderungen der Muskelzellen kommen (Muskulatur soll sich auch entspannen können und nicht dauerverspannt sein). 


Durch unangenehmen Druck kriegt das Pferd quasi einen Dauerkrampf und verwendet den Rücken folglich noch weniger. Einen Sattel kriegt man auf dauerverspanntem Rücken nicht angepasst.




Es wurden auch verschiedene Sattelunterlagen mit der Druckmessung gestestet.
Prinzipiell kann man mit Sattelunterlagen den Druck verbessern, aber auch verschlechtern!
Nur das Rentierfell (Lammfell wirkt vermutlich ähnlich) konnte den Druck (bei passendem Sattel!!!) vermindern. 
Gelpads können Druckspitzen auf einen etwas größeren Bereich erweitern.
Luftpads werden recht hart und wurden ebenso wie Moosgummiunterlagen nicht empfohlen. 








Gebisse:


Allergien gegen Nickel äußern sich durch Bläschen (Mundwinkel auseinanderrollen!). Auch in Edelstahl können Spuren von allergenen Substanzen möglich sein. Eisen ist bei Allergikern geeignet, rostet aber. 


Ein weiteres nettes Zitat:
"Speichelbildung durch Kupfereinlagerungen ist eine chemische Reaktion, kein Zeichen von gutem Reiten" ;) 


Alle Gebisse sollten regelmäßig kontrolliert werden.
DAS ideale Gebiss gibt es nicht. 

5 Kommentare:

  1. Bin gerade sehr am überlegen mir einen baumlosen Sattel von Torsion zu kaufen (momentan in der engsten Auswahl der Extra Light).
    Dazu würde ich gerne wissen was deine Meinung zu baumlosen Sätteln ist und ob es da irgend welche Nachteile gibt oder etwas wichtiges auf das man achten sollte ,wie ZB. eher kürzer und ein Sattel der nicht übermäßig rutscht?
    Ich reite eigendlich gar nicht mit Gebiss sondern mit einem Sidepull.Aber das mit dem Nichel ist echt interessant.Ist Kupfer dann nun gut oder nicht gut im Pferdemaul? :/
    Stimmt das mit den 15% auch bei Islandpferden?Muss man da das Gewicht des Sattels mit zu zählen?
    Kann man das auch etwas ausgleichen wenn das Pferd gute Muskeln bekommt?
    Ganz schön viele Fragen. Sorry .Bin aber so neugierig :)
    LG

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  2. Baumlose Sättel wurdem beim Rittigkeitssymposium auch kurz angesprochen, aber nur für sehr leichte Reiter empfohlen, eben wegen der Druckverteilung.

    Ich hab den Eindruck dass Leute oft zu Baumlosen greifen wenn sie keinen Sattler holen wollen. Generell davon abraten würd ich nicht, bin auch mal baumlos geritten und hab relativ gute Erfahrungen damit gemacht, außer dass das Material relativ schnell nachlässt. Einen gut passenden Baumsattel ziehe ich da heute vor.


    Zu Kupfer gibts unterschiedliche Meinungen, ich persönlich mags nicht.

    Gute Bemuskelung find ich Vorraussetzung, egal wie schwer der Reiter ist. Leichter Reiter ist keine Entschuldigung für fehlende Muckis ;)
    Ich denke das ist ein Richtwert und kommt auch aufs Pferd drauf an - wie gesagt, ein leichter Reiter kann dem Pferd genauso schaden!

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  3. Hallo Caro,

    du hast geschrieben:
    "Für Rittigkeitsprobleme ist der häufigste Grund eine verhärtete Rückenmuskulatur oft bei Hinterhandlahmheiten"

    wenn das der fall ist (also Hinterhandlahmheit durch z.B. Athrose oder Chips) und ein Rittigkeitsproblem gibt - SOLL MAN DANN DAS PFERD ÜBERHAUPT NOCH REITEN?

    Bzw. wie kann ich es motivieren damit es möchte und ist dann Druck machen in Ordnung wenn es nicht geritten werden mag? Wie kann ich besonders auf das Pferd eingehen?

    danke,
    lg, Gabriela

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  4. Ein Pferd welches Schmerzen hat reite ich nicht, erst recht nicht mit Druck. Das find ich ein absolutes No-Go!
    Bei Arthrose tut Bewegung oft gut, aber ich würd da nicht reiten bei nem akuten Schub. Haltungsbedingungen verbessern, Tierärztlich betreuen lassen, individuell entscheiden was dem Pferd da grad gut tut.
    Chips gehören entfernt ;)

    Bei Rückenproblemen ist ein angepasstes Reha-Programm angesagt, welches man mit Trainer/TA/Physio abklären soll. Vom Herumstehen auf der Weide wird der Rücken auch nicht wieder ganz ;)

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