Wenn man fast eine Woche kein Internet hat, kommt man auf so allerhand Ideen. Eine davon war zu schauen, ob ich an Lucy (meinem Pferdeschädel) den Nussknackereffekt darstellen kann und welche Einwirkung (hohe Hand, Rollkur etc.) welche Effekt auf die Zähne haben könnte.Natürlich kann man das nicht 100% vergleichen zum lebenden Pferd, da beim Schädel sowohl Zunge, als auch Zungenbewegungen, Schleimhaut und Maulwinkel fehlen, ebenso eine Eigenbewegung des Pferdekopfs/hals selbst.
Aber eine Idee kann es einem trotzdem geben ;)
Verwendet habe ich Sunnys Trense, einfach gebrochen.

Hier habe ich versucht mal sichtbar zu machen, was bei vielen Zaumzeugen passiert:
Die Schnalle liegt direkt beim Kiefergelenk, über welchem nur wenig Haut liegt.
Das kann empfindlichen Pferden unangenehm sein.
Kiefergelenke können auch schmerzen und sogar arthrotisch werden, wenns im Maul irgendwo hakt. Deswegen: 1 mal im Jahr Zähne kontrollieren lassen ;)

Hier liegt die Trense ohne Zug im Maul.
Sie liegt nicht gerade, sondern das Gelenk ist abgewinkelt nach vorn, was im lebendigen Maul ähnlich sein dürfte.
Hier habe ich versucht mit einem gefalteten T-Shirt die Maulschleimhaut (ohne Zunge!) darzustellen.
Pferde haben unterschiedlich viel Schleimhaut auf den Laden (Zahnfreier Teil wo die Trense liegt) - manche sehr wenig, manche recht viel.
Bei Pferden mit viel Schleimhaut kann diese bei Zug an der Trense gegen die Zähne drücken und schmerzen.
Es gibt umstrittene Methoden gegen zuviel Schleimhaut, von einer Abrundung der vorderen Zähne bis hin zu einer art "Lifting", also Wegschneiden der Schleimhaut.
Hier habe ich das T-Shirt mehrfach gefaltet um auch die Zunge darzustellen.
Bei geschlossenem Maul ist beim Pferd nicht wirklich Platz für einen luftgefüllten Hohlraum, wie manche vielleicht meinen ;)
Die Zunge füllt die Maulhöhle an dieser Stelle vollständig aus - man kann das bei sich selbst auch bisschen probieren: Zunge entspannen und anspannen und sich vostellen da liegt noch ein Gebiss drauf, um ein Gefühl zu bekommen wie das Pferd eventuell fühlen könnte.
Hier haben wir etwas Besonderes:
Ein Wolfszahn im Unterkiefer (das kleine Hakerl direkt unter der Trense), was recht selten ist. Im Oberkiefer hingegen kommen sie häufiger vor.
Ein Wolfszahn ist nicht das gleiche wie ein Hengstzahn ;)
Ein Wolfszahn ist ein zurückgebildetes Überbleibsel des ersten Backenzahns und nicht immer ausgebildet.
Es gibt Wolfszähne die man sieht (bei diesem Pferdeschädel zb. im Oberkiefer), weil sie durch das Zahnfleisch durchgebrochen sind, und es gibt Wolfszähne, die so klein bleiben, dass sie nicht durchs Zahnfleisch brechen und man sie nur fühlen kann.
Letztere machen meistens mehr Probleme und sollten deswegen auch unbedingt entfernt werden.
Wie man am Foto schön sieht, kann die Trense auf die Schleimhaut des kleinen Wolfszahns drücken, was wehtun kann.
Der Wolfszahn am Foto war zu Lebzeiten vermutlich nicht durchs Zahnfleisch durchgebrochen.
Hier habe ich den Schädel in eine höhere Position gebracht, quasi als würde das Pferd den Kopf hochnehmen, und ich habe leicht an den Zügel nach unten gezogen.
Man sieht dass die "Zunge" nach unten gedrückt wird und die Schleimhaut gegen die Zähne.
Ich habe versucht aus verschiedenen Positionen in verschiedenen Geschwindigkeiten an den Zügeln zu ziehen, konnte jedoch keinen Nussknackereffekt darstellen.
Der Nussknackereffekt behauptet, dass einfach gebrochene Gebisse sich aufstellen bei Zügelzug und das Gelenk gegen das Gaumendach drückt.
Bisher konnte das auch in Röntgenstudien am lebenden Pferd nicht bewiesen werden.
Was sein kann ist, dass die Zunge kurzzeitig das Gebiss hebt und dieses somit den Gaumen berührt. Ein "Reinbohren" a la Nussknacker kann ich mir nicht vorstellen.
Nun habe ich versucht was passiert, wenn man mit hoher Hand nach oben einwirkt.
Das kann jetzt verschiedene Auswirkungen haben, was auch abhängig ist von der Zahnstellung.
Lucy hat Haken am ersten Backenzahn im Unterkiefer (häufiger sind diese am ersten Backenzahn im Oberkiefer) und auch Wolfszähne im Oberkiefer (sehr häufig).
Wolfszähne sind meistens nur sehr klein und haben meistens eine sehr kurze Wurzel (ca. 5mm herum) - diese zu entfernen ist kein großer Eingriff und sollte beim jungen Pferd bei einer Zahnbehandlung vor dem Anreiten erledigt werden.
Im unteren Bild sieht man den Wolfszahn sehr gut: Das ist der kleine ca. 1cm große Zahn vor dem ersten großen Backenzahn im Oberkiefer.
Im Unterkiefer sieht man, wie sieht man, wie sich der erste Backenzahn wie eine steile Sprungschanze nach oben wölbt, ein sog. Haken.
Oft haben Pferde mit Haken am ersten Backenzahn auch Haken am letzten Backenzahn, weil das Kiefer dadurch ja nicht mehr so zu liegen kommt, dass jeder Zahn vollständig den Gegenspieler berührt.
Die Haken können uU so lang werden, dass sie sich ins Zahnfleisch des gegenüberliegenden Kieferteils bohren, was sehr schmerzhaft ist!
Das behindert die Beweglichkeit des Kiefers und sollte dringend in einer Zahnbehandlung wieder abgerundet werden!
Hier habe ich den Kopf so steil gestellt, das es einer Rollkur entspräche, und an den Zügeln gezogen.
Dabei passiert Ähnliches wie sonst: Zunge und Schleimhaut werden gequetscht und gegen die Zähne gerückt.
Über die gesundheitsschädigenden Auswirkungen der Rollkur kann man bei Dr. Gerd Heuschmann (Bücher, DVDs, Seminare) viele Infos holen.
Hier habe ich versucht deutlich zu machen, was beim "Rieglen" passiert.
(Riegeln ist das schnelle hin und herziehen der Trense, als nicht pferdegerechter Versuch dass das Pferd den Kopf runternehmen soll und sich "versammeln" soll. Echte Versammlung heißt nicht Kopf in die Senkrechte, aber das hat sich leider noch nicht überall herumgesprochen...)
Dabei gerät das Gelenk der Trense auf den schmalen Knochengrat der Laden und kann die Schleimhaut sehr leicht so stark verletzen, dass der Knochen freiliegt!
Dabei entstehen fast immer auf offene Stellen auf der Zunge!
Wie schmerzhaft das für das Pferd ist brauche ich wohl nicht zu sagen und wie verärgert ich bin, wenn ich das bei einer Zahnbehandlung sehe, wohl auch nicht...
Ich hoffe euch hat mein kleiner Versuch gefallen und hat euch eine bessere Vorstellung von der Trense im Maul geben können.
Das soll kein "Trensen sind so schlimm" Artikel sein - ich reite selbst mit Trense - sondern jeden dazu anregen darüber nachzudenken wie er die Trense verwendet und welche Rolle Zahnbehandlungen für das Wohlbefinden des Pferdes spielen ;)




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AntwortenLöschenHallo Caro
AntwortenLöschenInteressante Bilder. Sie zeigen für mich vorallem, dass dem Pferd viel Schmerz zugefügt werden kann, mit harter Einwirkung im Maul.
Da ich mich seit einem Weilchen mit der Ecole de Légèrté beschäftige, sehe ich auch hier wieder deutlich, was eine tiefe Hand bewirkt, wenn der Druck auf die Zunge rsp. den kaum geschützten Unterkiefer kommt. Der Aspekt mit der hohen Hand und Druck auf die Zähne finde ich interessant. Hab ich mich noch nie so geachtet. Hatte aber spontan das Gefühl, dass der Druck eher auf die Maulwinkel kommt, als direkt auf die Zähne. Werde mich mal achten...
Danke, für die Bilder.
Gruess, Miriam
Vielen Dank Caro. Sehr schön !
AntwortenLöschenVielen Dank - sehr interessant und super anschaulich erklärt !
AntwortenLöschenlg
Manuela
Kennst du diese DVD: http://www.eclectic-horseman.com/mercantile/product_info.php?cPath=2_31&products_id=631&osCsid=cjfpdehb7gjocmj2dio5c1tbh3 ?
AntwortenLöschenWirklich super interessant und Bruce hat ein ganz tolles pferdemodel würde dir gut gefallen ;-)
Er ist wirklich ein genialer Horseman/Vaquero!